Klingt komisch, ist aber so: Sea-Salt-Eis ist eines meiner Sommer-Highlights, wahrlich erfrischend, anders, abenteuerlich.

Ende April weilte ich in Dingle, einem kleinen verschlafenen Nest an der Atlantikküste im westlichen Irland. Dort gibt es eine Eisdiele, „Murphy’s Icecream“, die handgemachte, besondere Eiskreationen herstellen und verkaufen.

Eine Eissorte, die mir neben „Butterscotch“ und „Toffee“ sofort auffiel, war „Seasalt Icecream“. „Ich bekam den Auftrag, ein Sommereis für Dingle zu kreieren“, erzählte mir Mister Murphy, der Besitzer, „und es gab für mich nur eine denkbare Lösung: ich wollte den leisen Hauch des Geschmacks von Salz, den man beim Verlassen des Meeres an einem heißen Strandtag auf den Lippen trägt, als Eis servieren“.

Gedacht, getan, das Ergebnis famos: unaufdringlich, dezent, dennoch vorhanden und auf Lippe und Zunge tanzend finden sich die floralen Salzaromen geschmacklich wieder, eine tolle Erfahrung. Diese wollte ich nachempfinden, zuhause, weit weg von Salzwasser und Meer.

Dafür bereitete ich eine Basis-Eismasse zu, aus Sahne, Crème Double, Eiern und Zucker, die besten Hüftgold-Zutaten eben. Um die Masse etwas zu aromatisieren füge ich eine Messerspitze geriebene Tonkabohne hinzu, dann das Salz. Maldon Sea Salt soll es sein, fein im Aroma, aber kräftig genug, um nicht unterzugehen. Ich fühle mich mit einem knappen Teelöffel Salz wohl, empfehle aber jedem ein schrittweises Vorgehen und füge hinzu, dass das Aroma während des Kühlprozesses intensiviert wird. Vorsicht ist also geboten.

Dazu reiche ich eine ebenso hüftgoldige Schoko-Praliné aus bester Schokolade mit 70 % Kakao-Anteil, noch mehr Sahne und noch mehr Butter. Die Beeren, ein paar Stunden geeist, beruhigen einerseits das Gewissen, andererseits sorgen sie für einen fruchtig-süßen Gegenpol zum leicht salzigen Eis und der eher Kakao-bitteren Schokotarte.

Tipp: lieber beim ersten Versuch weniger Salz zur Eismasse geben und – sollte das Ergebnis nicht salzig genug sein – die Nocke mit etwas Fingersalz bestreuen.

Rezept

Dauer: ca. 60 Minuten Zubereitungszeit, ca. 5 Stunden Kühl- und Frierzeit

Zutaten (für 4 Personen):

Etwas frische Minze

Für die Schoko-Praliné-Tarte:

Diesem Rezept folgen

Für das Sea-Salt-Eis:

88 g Zucker
250 ml Sahne
125 g Crème Double
2 Eier
1 Msp. geriebene Tonkabohne
1/2 bis 1 TL Maldon Sea Salt, je nach Geschmack

Für die geeisten Beeren:

1 Handvoll Johannisbeeren
1 Handvoll Himbeeren
1 Handvoll Heidelbeeren

Zubereitung:

1 Die Schoko-Praliné-Tarte am besten am Vorabend nach dieser Anleitung zubereiten und über Nacht gut kühlen.

2 Die Beeren etwa 4 Stunden im Tiefkühler frieren.

3 Für das Sea-Salt-Eis die Sahne mit der Crème Double langsam erhitzen, bis sie dampft, kochen soll sie nicht. Derweil den Zucker mit dem Eigelb mit einem Handrührgerät vermengen, bis das Eigelb heller wird und den Zucker aufgenommen hat. Die Eimasse zur warmen Sahne geben und solange erhitzen, bis die Masse 72°C erreicht hat und beginnt, dick zu werden. Dann das Salz und die Tonkabohne gerieben zugeben, abkühlen lassen und über Nacht im Kühlschrank durchkühlen.

4 Das Eis am nächsten Tag in der Eismaschine zu einer crèmigen Eismasse frieren.

5 Ein Rechteck Schoko-Praliné-Tarte in eine Schüssel geben, daneben die Beeren streuen. Die Beeren nicht mit bloßen Händen anfassen, da sie sonst an den Stellen nicht beschlagen. Eisnocken auf die Beeren setzen, mit Minze garnieren. Wer mag streut ein wenig Fingersalz über das Eis.