An Braai kommt im südlichen Afrika niemand vorbei. Überall finden sich öffentlich zugängliche Grillplätze, am Wochenende treffen sich viele Namibier zum gemeinsamen Grillen. Immer mit dabei: Boerewors.

Nach einem denkwürdigen Tag auf der Desert Lodge „Rostock Ritz“ fuhren wir durch die Namib in Richtung Westen an den Atlantik, nach Swakopmund. Swakopmund ist die zweitgrößte Stadt des Landes und ehemaliger Dreh- und Angelpunkt der deutschen Kolonisten. Hier landeten vor mehr als hundert Jahren die Schiffe aus Europa an, brachten Siedler, Vieh und Material, nahmen Kolonialwaren und Handelsgüter mit.

Noch heute sind die Spuren der deutschen Kolonialzeit omnipräsent und sichtbar: viele Straßen haben deutsche Namen („Lazarettstraße“), in der Stadt finden sich „Apotheken“ und „Konditoreien“, sogar eine „Goldschmiede“ ist dabei. Die Gästehäuser und Hotels heißen „Strandhotel“, „Kaiser Wilhelm Chalets“, im Café Anton im Hotel Schweizerhaus gibt es nach Hörensagen die besten Schwarzwälder Kirschtorte südlich des Äquators.

Alte Kolonialgebäude im wilhelminischen Stil säumen die Straßen, die alte, fast 300 Meter lange Mole trotzt immer noch den stetig anrollenden Wellen des Atlantiks. Der ist hier richtig kalt, 15 °C zeigt das Thermometer, zu kalt für mich, um einen Schwimmversuch zu wagen. Von der Antarktis fließt der kalte Benguela-Strom Richtung Norden bis zum Äquator. Die kalte Strömung verhindert, dass feuchte Luftmassen aufsteigen und die Küstenregionen befeuchten, damit trägt der Benguela-Strom eine Mitverantwortung für die Entstehung der Küstenwüste Namib.

In Swakopmund erzeugt das Aufeinandertreffen von heißer Wüste und kaltem Atlantik regelmäßig zu extrem feuchten Nebel, der über die Stadt eine mystisch anmutende Dunstglocke hängt.

Der Küstenverlauf zwischen Swakopmund bis zur südlich gelegenen Walfischbucht trägt den Namen „Skelettküste“, und das zurecht: entlang des Küstenstreifens liegen hunderte Schiffswracks, die der starken Strömung über die Jahre zum Opfer fielen. Der Abschnitt war berüchtigt und stellte für die Seefahrer eine unglaubliche Herausforderung dar, die oft ein tragisches Ende nahm. Deswegen beschlossen die deutschen Kolonisten, eine lange Mole zu bauen, die bis zu 5 Kilometer in den Atlantik reichen sollte, um die Gefahren zu minimieren. Der einsetzende erste Weltkrieg unterbrach dieses Bauunterfangen.

Braai mit Christian, Metzger aus Swakopmund

Am Strand an der Skelettküste in Sichtweite Swakopmunds treffen wir Christian, seines Zeichens Metzger und in der Gegend wohl so etwas wie eine kleine Koryphäe, wenn man den Schilderungen der Einheimischen glauben darf.

Christian hat uns „Boerewors“ mitgebracht, jene Wurst-Spezialität, die bei keinem Braai fehlen darf. Wörtlich aus dem Afrikaans übersetzt bedeutet „Boerewors“ so viel wie Bauernwurst. Sie wird typischerweise als große Schnecke aufgerollt und am Stück auf einem Braai gegrillt.

Die Zusammensetzung der Zutaten ist seit 1990 gesetzlich geregelt, und es dürfen auch nur die Würste als „Boerewors“ bezeichnet werden, die sich an diese Rezeptvorgaben halten. Unangekündigte Kontrollen sorgen für eine Durchsetzung, die Strafen bei zu großen Abweichungen sind teils drakonisch.

Eine „Boerewors“ besteht aus grob gehacktem Rind- oder Wildfleisch, etwa 30 % Fett, sowie Koriandersamen, schwarzem Pfeffer, Muskatnuss und Nelken. Etwas Worcestersauce, Salz sowie ein Hauch Essig sorgen für die Konservierung und den typischen, intensiven Geschmack, der im ersten Moment für europäische Wurstgaumen überrascht.

Christian hat uns verschiedene Varianten mitgebracht: die klassische, zur Spirale gerollte Boerewors, dickere Würste, Boerewors aus Rind und aus Wild, sowie ein paar Sosatie-Würste. Diese grillt er indirekt auf einem typischen Braai, einer halben Öltonne, die als Halterung für das Holz fungiert. Holzkohle kommt nicht zum Einsatz, die Hitze wird durch ein Holzfeuer erzeugt. Das erfordert stetes Nachlegen und mehr Abstand zwischen Gargut und Hitzequelle, da die Flammen unkontrollierbarer in die Höhe schlagen.

Ein uralter Rost, dessen Zustand von vielen, vielen Braais erzählt, hält das Gargut. Geduldig wendet Christian seine Boerewors, dazu gibt es, ganz authentisch, ein Windhoek Lager.

Mein Favorit ist die dicke Wild-Boerewors, sie ist durch den Fettanteil sehr saftig, würzig und reich an Geschmack, Koriander- und Nelkennoten treten deutlich hervor. Christian verrät mir, dass die Saftigkeit nicht nur vom Fettanteil kommt, er mischt seinen Würsten zum Teil Haferflocken bei, die die Feuchtigkeit besser halten.

Zu Boerewors essen die Namibier gerne Mealie-Pap, einen Porridge-ähnlichen Brei aus weißem Mais, oder Chakalaka, eine Art scharfes Relish aus Tomaten, Karotten, Paprika und viel Chili.

Links und Informationen

Strandhotel Swakopmund
http://www.strandhotelswakopmund.com/

Mehr Informationen zum Reiseland Namibia finden sich auf der Webseite des Namibia Tourism Board.

Offenlegung: meine Reise durch Namibia erfolgte auf Einladung und in Kooperation mit dem Namibia Tourism Board, Air Namibia, Iwanowski Reisen und der Beefer Grillgeräte GmbH.