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Schwer und solide liegt es in der Hand. Drei Bändchen ragen aus den 271 Seiten heraus und suggerieren: „Hier gibt es eine Menge zu markieren!“. Die Seiten bestehen aus dickem Papier und schreien danach, benutzt und geblättert zu werden.

“Deutschland vegetarisch” prangt in dicken Lettern auf dem Cover. Innen finden sich die besten traditionellen Rezepte ohne Fleisch aus Deutschland. Deutsche Küche, das scheint sowas wie ein Hobby, oder vielmehr eine Leidenschaft des Autors Stevan Paul zu sein. Vor einigen Monaten erschien aus seiner Feder das Effilee-Bookazine „Herrn Paulsens Deutschstunde“, in welchem die gesamte Breite der deutschen Küche adrett präsentiert wurde. Nun folgt das vegetarische Leitwerk gemäß des Konzeptes von Katharina Seiser, die in den letzten Jahren mit „Österreich vegetarisch“ den Grundstein für den Erfolg der beiden Bücher legte. Dass „Deutschland vegetarisch“ ein Erfolg wird, steht für mich außer Frage: Das Buch ist ein tolles Werk voller Inspiration und Erkenntnis. Dem Buch haftet an, was Tim Mälzers „Greenbox“ noch gefehlt hat: Authentizität. Glaubwürdigkeit. Inspiration. Qualität.

Die deutsche Küche war keinesfalls eine fleischreiche Küche, für die sie heute oft geschätzt und gehalten wird. Vor der Zeit des Wirtschaftswunders war Fleischkonsum purer Luxus, der selten zelebriert wurde: Der Sonntagsbraten war eine feste Institution. Unter der Woche überwog aber eine schnelle, fleischlose Küche, mit heimischen Produkten aus der Region frisch zubereitet. Stevan Paul ging diesen alten Rezepten auf den Grund, recherchierte viele Klassiker und brachte diese im Buch erstmals zusammen. Gerichte von Ost nach West, von Norden nach Süden – wunderbar authentisch und herzerfrischend regional.

Das Buch gliedert die Rezepte saisonal nach Frühling, Sommer, Herbst und Winter sowie einen Teil, der Anleitungen beinhaltet, nach denen das ganze Jahr über zubereitet werden kann. Jeder Teil besitzt Ideen für Vorspeisen, Hauptgänge und Desserts, so dass einfach vegetarische, saisonale Menüs generiert werden können. Dabei finden sich Klassiker wie das Leipziger Allerlei, die Frankfurter grüne Sauce mit Pellkartoffeln und Ei oder Maultaschen genauso wie kreative Anregungen durch Wickelklöße mit Spinat und Haselnuss-Bröselbutter, eine Thüringer Sauerkrautsuppe oder Zwetschgenpastete. Für mich als Omnivore dient das Buch gleichermaßen als Quell für neue vegetarische Gerichte oder spannende Beilagen zu Fleischgerichten, die eigentlich viel mehr als Beilagen sind.

"Deutschland vegetarisch" von Stevan Paul [Rezension]

Gestaltung und Fotografie

Die Gestaltung des Buches ist durchgängig schlicht aber funktional. Nach dem Rezepttitel folgt eine kurze Einleitung des Autors, die in wenigen Zeilen spannende Hintergrundinformationen wie die Entstehungsgeschichte eines Gerichtes offenbart. Der Rezeptteil ist sauber in Zutatenliste und Anleitung gegliedert. Die Anleitungen werden durch sehr schöne Bilder begleitet, die professionell fotografiert und wunderschön angerichtet sind. Es werden viele Gegenstände rund um das Gericht in Szene gesetzt, was mich aber niemals gestört hat. Keines der Bilder wirkt überladen oder überkomponiert. Die rustikale, bodenständige Art und Weise traditionelle Gerichte darzustellen unterstützt das Thema des Buches, der erste Sammelband deutscher Vegetarismusgeschichte zu sein. Die Darstellung ist authentisch, keinesfalls zu modern und in jedem Fall würdevoll und von hoher Qualität. Mir macht es Spaß, durch das Buch zu blättern und die Fotos zu betrachten.

Meine nachgekochten Rezepte

Passend zur Jahreszeit habe ich mich auf die herbstlichen Rezepte konzentriert. Was mir besonders am Buch gefällt, sind die vielen Rezepte, die aus einer gewöhnlichen Brotzeit einen wahren Festschmaus machen. In jedem Kapitel finden sich tolle Anregungen, um die Tradition der Brotzeit gebührend aufleben zu lassen. Und so habe ich als erstes einen Rettich-Radieschen-Salat mit Emmentaler und einer Weizenbier-Vinaigrette zubereitet – ein herrlich frisches Gericht, das durch das Weizenbier in der Vinaigrette eine besondere geschmackliche Note setzt.

Rettich-Radieschen-Salat mit Emmentaler und einer Weizenbier-Vinaigrette

Herbst – klar – das ist Kürbiszeit. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass die weiteren beiden nachgekochten Gerichte dieses Gemüse beinhalten. Den Klassiker – die Kürbissuppe – findet man dieser Tage zu Hauf auf den Food-Blogs, doch Stevans Variante mit Apfel und Sternanis gibt dem Gericht einen Kick, der neu für mich war. Sternanis werde ich ab sofort bei nahezu jedem Kürbisgericht verwendet – die beiden Zutaten harmonieren einfach unglaublich gut.

apfel-kuerbissuppe-deutschland-vegetarisch

Zuletzt bereitete ich einen Kürbisstampf als Beilage zu einem Osso Buco in Verjus zu, was sehr gut harmonierte und einen tollen Gegenpol zur kräftigen Verjus-Sauce abgab. Das Gericht braucht eigentlich nichts weiter und besticht schon als Solo-Variante ungemein.

osso-buco-in-verjus-mit-kuerbispueree

Fazit

„Deutschland vegetarisch“ ist ein wunderschönes Meisterwerk der vegetarischen Kochbücher und sollte im Bücherregal auf keinen Fall fehlen. Stevan und Katharina ist es gelungen, ein inhaltlich wie optisch und ästhetisch wunderbares Werk zu schaffen. So, und nun muss ich in die Küche, der Gaisburger Marsch wartet auf mich….

  • Aufmachung/Design: 4/5
  • Fotos: 5/5
  • Rezepte: 4/5
  • Nachkochbarkeit: 4/5
  • Kaufempfehlung: 4/5

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"Deutschland vegetarisch" von Stevan Paul
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