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Schwer kommt es daher, das neue Buch von Stevan Paul. Ein hochwertiger Einband, dickes Papier, 287 Seiten: Wer das Buch kauft, hat nicht nur etwas „Auf die Hand“, sondern auch etwas in der Hand.

Der hohe Qualitätsanspruch zieht sich nahtlos durch das gesamte Werk: Rezepte, Rezepttexte, die Fotografie, die Reportagen und das Register, alles hat Hand und Fuß. Einzig Bändchen vermisse ich, um Rezepte markieren zu können. Wahrscheinlich wurden diese aber bewusst weggelassen, denn selbst eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Bändchen hätte nicht ausgereicht: Zu markieren gibt es nämlich mehr als genug.

Stevan Paul schafft es für mich in seinen Werken immer wieder, das Simple, das schon oft Gesehene so ansprechend mit einem neuen Anstrich zu versehen, dass es spannend und nachahmenswert wird, und sogar inspiriert. „Deutschland vegetarisch“ inspirierte mich dazu, mich mehr mit der kulinarischen Geschichte der Heimat zu beschäftigen und die typische Küche Frankens besser verstehen zu versuchen. Einfache Gerichte wie Bratwürste mit Sauerkraut, Schäuferla oder fränkischer Ziebeleskäs gewannen für mich an Bedeutung. Ich liebe es, diese traditionsreichen Rezepte zu probieren und anschließend kreativ zu modernisieren oder an meine Küche anzupassen.

steak-baguette-portwein-zwiebeln

„Auf die Hand“ löst bei mir etwas Ähnliches aus: Klassiker bekommen Relevanz und werden durch den Anspruch des Autors, viel selbst herzustellen, demystifiziert. Obwohl ich seit längerem die Welle des „selbst machens“ reite, bin ich bisher noch nicht auf die Idee gekommen, Leberkäse selbst herzustellen. Stevan Paul hat es mit „Auf die Hand“ geschafft, Streetfood ein Qualitätssiegel zu verpassen und das Image von schnell produziertem, fett- und kalorienhaltigem Junkfood zu hochqualitativen Kreationen zu verschieben. Er zeigt, wie lebendig Deutschlands Szene ist, wie viel Leidenschaft in den Food-Trucks, Delis und Imbißbuden der Republik existiert, wie passioniert alte Dinge neu interpretiert werden und die kulinarische Landschaft landauf landab bereichern. Denn „Auf die Hand“ ist mitnichten nur eine Sammlung toller Rezepte rund um Sandwiches, Burger, Toasts, Fingerfood und Abendbrot: Das Buch erzählt bunt die Geschichten einiger Imbißbuden-Betreiber und Food-Aficionados, die Stevan nicht nur textlich und mit Rezepten zum Leben erweckt, sondern denen bildlich durch die starke Fotografie von Daniela Haug Raum gegeben wird, die dem Leser das Gefühl gibt, durch das Buch direkt in der Schlange vor der Theke zu stehen.

„Ich finde, Kochbücher müssen heute mehr sein als reine Rezeptsammlungen. Ich liebe diese Dreifaltigkeit aus Rezepten, die funktionieren, menschlichen Geschichten und Hintergründen, die dazu erzählt werden können.“ sagt der Autor selbst in einem Video zum Buch – und das stimmt.

Natürlich profitiert das Buch vom Zeitgeist: „Auf die Hand“ erscheint zum perfekten Zeitpunkt für einen perfekten Markt. In den Metropolen der Republik erfreut sich Streetfood großer Beliebtheit, als Beispiele seien hierfür nur die mutmaßlich größte Food-Truck-Szene Deutschlands in Nürnberg oder der „Streetfood Thursday“ in der Berliner Markthalle 9 genannt. „Auf die Hand“ ist das perfekte Produkt für einen perfekten Markt.

Die Rezepte

Dem Werk gelingt es vortrefflich, nicht trivial zu sein. Rezepte für strammen Max, Hot Dog oder Croque Madame finden sich in vielen Büchern. Stevan Paul verzichtet nicht auf diese Klassiker. Er schafft es, diesen vermeintlich einfachen, zigmal gesehenen Rezepten einen individuellen Twist in Form kreativer Abwandlung, kompletter Herstellung aller Komponenten oder narrativer Elemente beizumengen. Zudem finden sich im Buch mehrheitlich inspirierende, ungewöhnliche Rezepte wie der „Angry Beef Burger mit Kimchi“, die „Louisiana Lobster Roll“, der Burger „Shiso-Style“ (Boah!) oder das vietnamesische Cô Cô Bánh Mì.

Letzteres wird in Berlin Mitte in einem wunderschönen Deli authentisch wie im Herkunftsland Vietnam serviert: Baguette aus Weizen- und Reismehl wird mit Leberpastete, Grillfleisch, Gurken, Tomaten und einer vietnamesisch-fruchtig-scharfen Sauce belegt. Alles handgemacht, alles frei von Zusatzstoffen. Kein Wunder, dass bei meinem Besuch an einem Freitagmittag viel los und die Nachfrage groß war.

Cô Cô Bánh Mì Deli in Berlin-MitteCô Cô Bánh Mì Deli in Berlin-MitteCô Cô Bánh Mì Deli in Berlin-Mitte

Wer also einmal in Berlin ist, der sollte einen Besuch im Cô Cô Bánh Mì Deli in Berlin-Mitte einplanen.

Cô Cô Bánh Mì Deli
Rosenthaler Straße 2, 10119 Berlin

Neben dem Bàhn Mì in der Originalversion habe ich, wie Ihr im Laufe der letzten Woche sicher mitbekommen habt, drei Rezepte aus dem Buch probiert: Das Steak-Baguette mit Portwein-Zwiebeln und Dijonsenf-Mayonnaise, selbst gemachten Leberkäse und daraus fabrizierten strammen Max sowie Bagel mit Lachs und Honig-Senf-Sauce. Die Rezepte lassen sich problemlos nachkochen, die Angaben sind wie immer exakt. Auch bei vermeintlich schwierigeren Vorgängen wie dem eigenen Herstellen von Backwaren funktionieren die Anleitungen sehr gut und bringen schöne Ergebnisse. Das Buch eignet sich somit auch für Einsteiger.

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Fazit

„Auf die Hand“ gehört für mich neben „North“, „On Fire“, „In the Charcuterie“ und Giorgio Locatellis „Sizilien“ zu den Lieblings-Kochbüchern 2014. Die durchgängig hohe Qualität des Werkes und die inspirierenden Rezepte machen es für mich zu einem universellen Ratgeber und einer Inspirationsquelle für hochqualitative Snacks. Momentan gibt es in diesem Bereich keine bessere Rezepte-Sammlung. Wer also noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken für kulinarisch interessierte Personen ist, dem kann ich „Auf die Hand“ wärmstens empfehlen.

„Auf die Hand“ von Stevan Paul
Christian Brandstätter Verlag, Wien
ISBN 978-3-85033-812-7

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"Auf die Hand" von Stevan Paul
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