Kulinarischer Jahresrückblick 2012

Was für ein Jahr! Aus Blogger-Sicht war 2012 das spannendste Jahr, seit ich HighFoodality 2009 ins Leben gerufen habe: Einen ganz entscheidenden Beitrag dazu hat sicher das Ganzjahres-Event Cookbook of Colors geleistet, welches nun in seine finale Phase und damit in den Endspurt geht.

Dass das Blog-Event Cookbook of Colors so erfolgreich werden wird, habe ich nicht erwartet. Ich hatte gehofft, pro Monat etwa 20 Einreichungen zu generieren. Letztendlich wurden es im Schnitt 75 Einreichungen pro Monat. Ich hatte auch nicht erwartet, dass sich die Arbeit durch das Blog-Event so vervielfacht, dass ich derer kaum mehr Herr werden würde: Zum Glück hat mir meine liebe Frau Sonja im Sommer rechtzeitig unter die Arme gegriffen, bevor ich den Blog an den kulinarischen Nagel gehängt habe. Und das war gut so, denn was ab Juni auf dem Blog geschah, ist einfach unglaublich.

Seit Mitte des Jahres hat sich der Traffic fast verdoppelt. Mittlerweile lesen fast 30.000 Menschen jeden Monat meinen kleinen Blog, was mich unglaublich stolz macht und mich jeden Tag bis in die Haarspitzen motiviert. Ich möchte mich bei Euch allen bedanken, dass Ihr immer wieder hier vorbeischaut, Artikel kommentiert, weiterempfehlt und Teil dieses kleinen Abenteuers seid. DANKE!

Durch das Blog-Event Cookbook of Colors durfte ich auch viele Blogs kennen lernen, die ich vorher noch nicht auf dem Schirm hatte. Wahnsinn, wie groß die deutsche Foodblogger-Gemeinde mittlerweile ist! Und Wahnsinn, wie viele tolle Blogs mit tollen Rezepten und wunderbaren Food-Fotos es mittlerweile gibt! Hier hat sich in den letzten Jahren einiges getan, was mich sehr freut: Denn je präsenter das Thema „gutes, nachhaltiges Essen“ in unserer Gesellschaft wird, desto besser. Dass aus der Foodblogger-Szene Gutes hervorgeht, brauche ich Euch an dieser Stelle nicht weiter zu erläutern – dass dies aber zunehmend auch von anderen Kreisen erkannt wird, stimmt mich sehr froh. Nicht zuletzt die erfolgreichen Publikationen von Astrid Paul (Arthurs Tochter kocht: Mein B_Logbuch) und von Stevan Paul (Schlaraffenland) zeigen, dass von der Blogger-Szene viel erwartet werden kann und noch vieles zu erwarten ist (Nein, man muss nicht zwingend „Paul“ mit Nachnamen heißen, um Autor zu werden…). Beide Bücher haben mir in diesem Jahr viel Spaß bereitet und mir die ein oder andere kurzweilige Stunde verschafft.

Wie schon letztes Jahr freut es mich sehr, dass ich bei mir wieder eine gewisse Entwicklung der Kochkünste feststellen kann: Vieles geht mir wesentlich einfacher und sicherer von der Hand. Viele Grundrezepte scheine ich verinnerlicht zu haben, was mir bei spontanen Koch-Aktionen – speziell in den Mittagspausen bei Spirit Link – sehr entgegenkommt. „Sicherheit in der Anwendung“ hat noch nie einem Handwerker geschadet. Dennoch gilt hier: Als Ungelernter bleiben noch viele Felder zu erschließen, viele Bereiche zu entdecken und viel zu lernen. Und das ist gut so. Gerade die erwähnten Mittagspausen bei Spirit Link ermöglichen es mir, meine kulinarischen Abenteuer besser auszuleben. Ich bin nicht beschränkt auf den heimischen Herd, sondern habe in der Firma viele willige Abnehmer, die jeden Feldversuch tapfer durchstehen und treu bleiben, auch wenn es einmal schief geht (Ich sage nur: Mein lieber Scholli!). Eine halbe Stunde kochen macht den Kopf frei, sorgt für gutes, gesundes Essen und bringt Spaß: Ich wünsche mehr Unternehmen eine solche Kultur, die Raum zur kreativen Entfaltung lässt.

Dennoch gibt es jedes Jahr auch Ziele, die nicht erreicht wurden. Auch 2012 habe ich mein eigenes Kochbuch nicht finalisiert, was aber in Anbetracht des Ganzjahres-Events „Cookbook of Colors“ kein Wunder und völlig in Ordnung ist. Das Inhaltsverzeichnis erfährt dabei die gleiche Evolution, die auch ich durchmache: Mit gesteigertem Wissen kann ich bessere Kreationen erschaffen, die langsam aber stetig alte selbst kreierte Rezepte verdrängen. Bei der Durchsicht der Preview-PDFs denke ich mir oft: „Wie konntest Du so etwas ernsthaft in ein Kochbuch schreiben?“ und ersetze es durch eine verbesserte oder neue Variante. Das ist gut, wird doch die Qualität des Inhalts stetig gesteigert. Ich habe keinen Druck, es ist für mich nicht wichtig, das eigene Kochbuch bis zu einem gewissen Datum zu finalisieren. Ich sehe es als eine Art kleines Kunstwerk, die Kondens des eigenen, langjährigen Schaffens. Dennoch bin ich in diesem Jahr einen guten Schritt weiter gekommen: Eine Woche Urlaub hatte ich im Juni ganz dem Kochbuch gewidmet und mich darauf fokussiert, fehlende Rezepte zu kochen, zu fotografieren und dann auch zu layouten. Schön war’s, dieses alte Ziel bleibt auch weiterhin bestehen.

Das zweite nicht erreichte Ziel ist die Integration eines Newsletters. RSS-Feeds finde ich zwar sehr praktisch, um Inhalt einfach zu verbreiten und neue Artikel von anderen Blogs schnell mitzubekommen, aber mich nervt zunehmend die Tatsache, dass ich die Art und Weise der Auslieferung nicht beeinflussen kann. Hin und wieder gibt es Momente, in denen ich mir eben genau dies wünsche: Eine weitere Information an Euch Leser zu schicken, mehr Links zu integrieren oder auch einmal abseits des Blogs bestimmte Themen ausführlicher behandeln zu können. 2013 wird es hoffentlich klappen, einen eigenen „Foodletter“ anzubieten.

Drittens hatte ich mir fest vorgenommen, über das Jahr verteilt eine Reihe von „HighFoodality Privatrestaurant“ Veranstaltungen durchzuführen. Dabei möchte ich sechs Personen aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis einladen, ein Menü bei mir zu essen. Der Clou: Diese Personen kennen sich untereinander kaum oder gar nicht – ich finde es spannend zu sehen, was passiert, wenn Freunde und Bekannte aus verschiedenen Bereichen zusammenkommen. Nun ja, vielleicht wird es ja 2013 klappen.

2012 schwappten die Blog-Aktivitäten auch zunehmend in das tägliche Leben über: Spontane Foodblogger-Treffen, interessante kulinarische Ausflüge nach Hamburg, Düsseldorf und Paris sowie die Teilnahme an einem Live-Video-Koch-Event sorgten für Abwechslung, öffneten neue Perspektiven und schufen neue Kontakte. Ich freue mich richtig auf 2013 um zu sehen, was sich aus diesen Aktivitäten entwickeln wird und was an neuen Eindrücken auf mich zukommen wird. Ich liebe dieses Hobby!

Nun aber noch in aller Kürze: Meine Highlights 2012

Meine Rezepte des Jahres

Meine Zutat des Jahres: Confierte Tomaten

Zu was hab ich die kleinen Jungs nicht alles serviert. Fisch, Fisch, Pasta, Fisch, Grillgut, Fisch, Salaten, als Antipasti, zu Fisch. Die Tomaten werden mit Rispe in gutes Olivenöl gelegt und bei moderater Hitze etwa eine Stunde confiert, bis sie aufbrechen und etwas schrumpelig werden. Die Tomaten entfalten einen unglaublichen Geschmack, stecken voller Süße und bringen zu jedem Gericht einen besonderen Kick. Was freue ich mich auf die Tomatenzeit 2013!

Mein Küchenhelfer des Jahres: Die Eismaschine

Nachdem ich zwei Jahre um die Investition herum gekrochen und auch sehr professionell den letzten Sommer ausgesessen hatte, habe ich dann im November zugeschlagen und mir eine Eismaschine zugelegt. Ich hätte das schon wesentlich früher tun sollen: Die neuen Möglichkeiten faszinieren mich, mein Dessert-Spielraum hat damit unglaublich gewonnen. Plötzlich macht es Spaß, Nachspeisen zuzubereiten.

Mein Kochbuch des Jahres: Heston Blumenthal at home

Ich bin einer Empfehlung von Chef Hansen gefolgt, der mir dieses Buch nachdrücklich empfahl. Nach Erhalt hat es mich gar nicht mehr los gelassen – endlich ein Buch, das fundiert und verständlich erklärt, warum man etwas wie macht. Für mich ungelernten Hobby-Koch ist dieses Werk eine unglaubliche Fundgrube an technischem Wissen, was mir sehr weiterhilft und „Sicherheit in der Anwendung“ schafft. Ich habe das Buch mittlerweile sieben Bekannten und Freunden empfohlen, die alle sehr begeistert und angetan waren. Absolute Kaufempfehlung!

Mein „auswärts essen“ des Jahres: Gasthaus Fegerer, Aschaffenburg

Ich bin geschäftlich oft in der Frankfurter Gegend unterwegs. Auf der Strecke liegt Aschaffenburg, und getrieben von Hunger und dem Unwillen, Fastfood in uns zu stopfen, entdeckten mein Kollege Ingo und ich durch Zufall das Gasthaus „Zum Fegerer“. Seit unserem ersten Besuch waren wir noch vier weitere Male dort und waren stets begeistert von der „gehobenen fränkischen Küche“ und den tollen Kreationen des Teams. Wer in der Gegend ist, sollte unbedingt Halt machen!

Meine Foodfotos des Jahres

Danke

Liebe Sonja, ohne Dich hätte ich den Blog im Sommer an den Nagel gehängt. Hab Dank dafür, dass Du mein Hobby mit allen Nebenwirkungen so unglaublich unterstützt, mich antreibst, Spreißel und meine härteste Kritikerin bist und konstante olfaktorische Belästigung durch massives Nutzen von Knoblauch geduldig erträgst. Und meine Fachsimpeleien. Um 23:30 Uhr nachts. Und meine kulinarischen Flausen. Danke!

Lieber Frank, danke, dass Du zwei Jahre lang jeden Dienstag einen Cocktail auf HighFoodality veröffentlicht hast. Ich habe es sehr geschätzt, wie viel Arbeit Du Dir jede Woche gemacht hast und ich vermisse es, jeden Dienstag ein fantastisches Foto von Dir auf dem Blog zu entdecken. Deine Fotos werden noch eine Weile Benchmark für mich sein! Und Frank: Solltest Du jemals wieder die Lust verspüren, Cocktails oder Rezepte veröffentlichen zu wollen: Mein Blog steht Dir immer offen!

Lieber Ingo, danke für viele Brainstorming-Sessions, gute Ideen und Deine Bereitschaft, Dir nahezu jeden Tag mein begeistertes Gefasel über die Bloggerei anzuhören. Ich schätze Dein Feedback sehr und freue mich darauf, 2013 mit Dir an vielen Ideen zu spinnen.