Je näher wir Irland kommen, desto düsterer wird das Wetter. Während wir uns am Münchner Flughafen noch mit Sonne und angenehmen 20 Grad verabschiedeten, begrüßt uns die grüne Insel mit leichtem Regen, vielen Wolken und einer steten Brise, die mich meine Jacke zuknöpfen lässt.

Gemeinsam mit einigen anderen Food-Bloggern befinde ich mich auf dem Weg zum „Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine“, das seit drei Jahren bei Cork im Süden Irlands abgehalten wird. Mit Darina Allen steckt hinter dem Festival ein echtes Schwergewicht der irischen und internationalen Food-Szene: 1983 baute sie mit ihrem nicht minder bekannten Bruder Rory O’Connell die „Ballymaloe Cookery School“ auf, die es seither zu weltweit hohem Ansehen und großer Bekanntheit gebracht hat. In einer Vielzahl von Kursen können Autodidakten wie Profis ihr Wissen vertiefen und das Handwerk des Kochens erlernen. Darina Allen ist heute die bekannteste Köchin Irlands, hat mehrere TV-Shows produziert und viele hochbeachtete Kochbücher geschrieben.

Bis hierhin war es jedoch ein weiter Weg. Die junge Darina trat Ender der 60er Jahre eine Lehre im Restaurant der Ballymaloe Farm bei Myrtle Allen an und heiratete kurz darauf ihren Sohn. Myrtle Allen gilt dabei als Begründerin der Familienphilosophie, die sich heute noch wie ein roter Faden durch alle Unternehmenszweige der rührigen Familie zieht. Damals wie heute bestimmten einfache Gerichte aus typischen, regionalen Zutaten die Speisekarte. Frische Lebensmittel, Nachhaltigkeit, Produktion auf der eigenen Farm und kurze Bezugswege spielen nach wie vor die zentrale Rolle.

Zum Familienimperium zählen neben der Farm und dem Restaurant ein Hotel, „Farmer’s markets“ und die schon erwähnte, bekannte Kochschule. Und gemäß der Familien-Tradition steht die nächste Allen-Generation bereits in den Startlöchern: Darinas Schwiegertochter und TV-Köchin Rachel Allen folgt auf dem Fuße und veröffentlichte bereits selbst über 10 Kochbücher.

Wir folgen den kurvenreichen Straßen, die oftmals nicht genug Raum bieten, um zwei Autos problemlos aneinander vorbeifahren zu lassen. Die Landstraßen werden von Wällen aus Gestrüpp, Steinen und Erde gesäumt, die auch die vielen sattgrünen Felder voneinander trennen, und den Rindern Schutz vor dem stetig vom nahen Meer her wehenden Wind bieten. Im Vergleich zu deutschen Feldern steht der Weizen schon recht hoch und das satte Maigrün erfüllt willig alle Irland-Klischees. Zwischendrin leuchtet Ginster in hellem Gelb und sorgt für eine angenehme, fast schon kitschig anmutende Szenerie. Die Landschaften sind schon kilometerlang schön, eine Fotokulisse folgt der nächsten. Ich war noch nie in Irland und bin sichtlich gefangen von der Schönheit und Ursprünglichkeit der Natur im Süden der Insel.

Inzwischen hat auch die Sonne ihren Weg durch die Wolken gefunden und begrüßt uns mit wärmenden Abendstrahlen auf der Ballymaloe Farm, wo alsbald das dritte „Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine“ eröffnet wird. In den kommenden drei Tagen werden etwa 8.000 Besucher erwartet, um sich mit Koryphäen und Produzenten aus der internationalen wie lokalen Food- und Wein-Szene zu treffen, auszutauschen und der gemeinsamen Leidenschaft zu frönen. Denn darum geht es: Die gemeinsame Liebe zu gutem Essen und nachhaltig produzierten Lebensmitteln soll zelebriert werden.

Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland, Darina Allen

Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland

Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland

Dass das Festival schon nach drei Jahren auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken kann, mögen wohl auch die so rührigen und gut vernetzten Allens nicht erwartet haben. Dennoch passt diese gut zu der Renaissance, die Irlands Food-Sektor insgesamt seit der Finanzkrise 2008, der folgenden hohen Arbeitslosigkeit sowie dem wirtschaftlichen Abschwung erlebte. In der Krise besannen sich viele junge Iren darauf, umzuschulen und im Bereich „Food“ Fuß zu fassen. Die irische Regierung erkannte diese Bewegung und unterstützte die junge Handwerksbewegung durch Steuervergünstigungen speziell für kleinere Betriebe. Diese wiederum dankten es mit großer Leidenschaft, exzellenten Produkten und dem unnachgiebigen Streben nach hoher Qualität, ganz im Sinne der Philosophie der Allen-Familie. „The future of our country lies in the soil under our feet.“ sollte an diesem Wochenende der irische Landwirtschaftsminister Simon Coveney bei der Eröffnung des Gala-Dinners im Ballymaloe House sagen, und traf damit wohl den Nagel auf den Kopf: Heute wollen die Kinder lokaler Produzenten nichts lieber, als den elterlichen Betrieb zu übernehmen.

So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass bei der dritten Auflage des Festivals 70 lokale Produzenten ihr Handwerk zeigten: Von Farmern, Craft-Beer-Brauern, Craft-Cider-Herstellern, Streetfood-Gastronomen, Gin-Destillateuren, Samen-Züchtern und Käse-Produzenten über Fischer, Bäcker und Metzger waren viele Professionen vertreten. Zusätzlich konnte sich das Vortragsprogramm sehen lassen: Während im letzten Jahr René Redzepi und Yotam Ottolenghi zu den Rednern gehörten, traten 2015 mit April Bloomfield, Alice Waters, David Lebovitz und Jancis Robinson weitere Schwergewichte der Branche auf, um die Irische Food-Szene mit spannenden Vorträgen zu bereichern.

Gleich nach der Eröffnung des Festivals durch Darina Allen startete das „Big Shed Dinner“. Die Speisen und Getränke von vielen lokalen Herstellern konnten in der „Big Shed“, der großen Scheune der Ballymaloe Farm, probiert und gekostet werden. Diese war für diesen Zweck ausgeräumt und ansprechend dekoriert zu einem atmosphärischen Bierzelt mit einer guten Portion „Vintage-Charme“ umfunktioniert worden.

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Wir probierten uns also in den folgenden Stunden durch die unglaubliche Vielfalt der dargebotenen Küche. Da war beispielsweise das unglaublich leckere „Ballycotton Fish Stew with Butter Beans & Marjoram“, das aus frisch gefangenem Fisch und einer aromatischen Curry-Sauce bestand. Ich bin bislang noch nicht auf die Idee gekommen, Fisch mit Bohnen zu kombinieren, war aber sofort von dem Geschmack gefangen.

Ebenso lecker entpuppte sich das Korma Curry, das klassisch zubereitet mit Reis und viel Koriander den Weg auf unseren Tisch und dort viel Anklang fand. Besonders angetan hatte es uns aber ein „Pork Stew“, das auf vietnamesische Art sehr fruchtig-frisch mit viel Limette, Fadennudeln und einem unglaublich weichem Schweinefleisch serviert wurde.

Die Vertreter der Gubbeen-Farm kredenzten frisch gesmokte Ribs, dazu Pulled Pork, irischer Käse, eingelegte Gurken, Rucola-Salat und selbst gemachtes „Soda-Bread“. Ein leckerer Salat aus Buchweizen, Granatapfelkernen und Staudensellerie sowie vielen frischen Kräutern stand den ganzen Abend in der Mitte des Tisches.

Natürlich gab es auch genug Getränke, um die Köstlichkeiten des Abends adäquat hinunterzuspülen. Auch in Irland ist die Craft-Beer-Szene angekommen und sehr präsent: Das Irish Pale Ale sowie mein persönlicher Favorit, das Red Ale aus dem Hause „Eight degrees brewing“, nehmen es problemlos mit den Kreationen lokaler Brauereien in Franken auf. Richtig authentisch wurde es, als echter Craft Cider ins Spiel kam: 100% Saft, unverdünnt und nicht durch billige Süßungsmittel verfälscht, dafür langsam und professionell fermentiert und halbtrocken und trocken angeboten – ein wahrlicher Hochgenuss.

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Das Wochenende auf der Ballymaloe Farm hat meinen Blick auf die irische Küche und Food-Szene verändert und nachhaltig geprägt. Ich finde es beeindruckend zu sehen, was dort in den letzten Jahren entstanden ist, mit welch ungebremsten Enthusiasmus viele unglaublich talentierte Handwerker eine kulinarische Identität erschaffen, die auf der Rückbesinnung auf die Fruchtbarkeit der irischen Erde beruht. Ich freue mich darauf, in den kommenden Jahren noch ganz viel davon auf meinem eigenen Teller zu kosten!

Im zweiten Teil der Impressionen vom „Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine“ entführe ich Euch zum Gala Dinner und dem Menü, das ich im Ballymaloe House genießen durfte.

Offenlegung: Meine Teilnahme am „Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine“ erfolgte auf Einladung von Kerrygold Deutschland – vielen Dank für die Organisation und Möglichkeit zur Teilnahme an diesem famosen Food-Festival!