Baked Beans, selbst gemacht

Der Wind heult und jagt kleine Strohballen durch die leeren Straßen, in der Ferne jault ein Kojote. Die Saloon-Türen schwingen mit einem metallischen Knarzen auf und ein Cowboy betritt die Schenke. Stille.

Der staubbesetzte Hut gibt die Augen frei, als der Cowboy seinen Kopf hebt und den Barkeeper mit starrem Blick fixiert. Der Barkeeper ist ein freundlich dreinblickender Mann, bekleidet mit einem weißen Hemd, gestärktem Kragen und einer schwarzen Fliege, die aus Zeiten der eigenen Konfirmation übrig geblieben immer noch ihren täglichen Dienst verrichtet. Der Blick des Barkeepers wandert zur Seite und bleibt auf der Etagere mit bunten Macarons hängen. Mit Schweißperlen auf der Stirn versucht der Barkeeper, die Etagere unauffällig unter dem Tresen verschwinden zu lassen. Der Barkeeper merkt, wie der Blick des Fremden an jeder seiner Bewegungen klebt. „H…heute sind in H…Hansens Saloon die v…vegetarischen Burger im Angebot…“ flüstert er vorsichtig in die Stille des Raumes. Der Fremde legt eine Hand auf den Griff seines Colts und sagt: „Eine große Portion Baked Beans bitte, schön würzig, und dazu etwas von Deinen Kartoffel-Toasties.“

Schnitt.

„Und weisst Du, Uwe“, sagt Chef Hansen zum Cowboy, der schmatzend über seiner dritten Portion Baked Beans sitzt, „das Rezept dazu stammt ursprünglich von den Indianern. Sie nehmen einfach weiße Bohnen, eine Menge Ahornsirup und etwas Bärenfett, packen das alles in ein Erdloch, das mit heißen Steinen oder heißer Asche gefüllt ist und garen das Gericht darin fertig. Wir Siedler haben einfach das Bärenfett durch Schweineschmalz und den Ahornsirup durch Zucker ersetzt und noch etwas Tomatensauce hinzugefügt. Und ich bereite die Baked Beans nicht mehr im Erdloch zu, sondern mache das indirekt über dem offenen Feuer in einem schönen Eisentopf. Ich habe das alles aufgeschrieben, wie ich ganz viele Rezepte aufgeschrieben habe. Ich habe dafür einen eigenen Block.“

Der Cowboy nickt anerkennend und schiebt sich einen weiteren Löffel Baked Beans in den Mund.

„Aber das Unglaublichste ist: In Portland wollen sie die Baked Beans nun in Dosen abgefüllt fix und fertig verkaufen. Das kann doch gar nicht schmecken, Baked Beans müssen immer frisch aus dem Topf direkt auf den Tellern landen!“

So oder so ähnlich könnte es sich zugetragen haben, wenn sich Chef Hansen und ich Mitte des 19. Jahrhunderts getroffen hätten. Tatsächlich handelt es sich bei den Baked Beans um eines der ältesten Fertigprodukte der Welt. 1867 wurden wohl die ersten Dosen in Maine verkauft und traten von da an ihren bis heute ungebrochenen Siegeszug an. Noch heute werden Baked Beans in den USA und Großbritannien in großen Mengen verkauft und gehören auf jeden Sonntagsfrühstückstisch. Nur leider sind die heutigen Produkte oftmals wesentlich süßer als die historischen Vorgänger und beinhalten ungleich mehr Zucker.

Baked Beans einmal selbst herzustellen ist nicht schwer, erfordert aber etwas Zeit. Und im Wesentlichen hat sich die Zubereitung seit dem 19. Jahrhundert auch nur marginal verändert. Ein Rezept von damals lautet:

„Nimm anderthalb Liter weiße Bohnen und stelle sie über Nacht in kaltes Wasser. Nimm sie am nächsten Morgen heraus, wasche und putze sie gut, dann schütte sie in einen Topf und koche sie, bis sie weich sind. Dann schütte sie in ein Gefäß aus Lehm. Schneide ein schönes Stück Schweinefleisch ab und lege es auf die Bohnen. Backe alles, bis es gut braun ist. Dieses ist ein gutes Gericht für einen Wintertag.“

In meinem Rezept benutze ich lediglich ein paar andere Zutaten, die Reihenfolge der Schritte ist jedoch gleich. Nachdem die Bohnen gewässert und gekocht sind, wird eine Tomatensauce zubereitet. Ich habe diese mit etwas Pimenton de la Vera gewürzt, einem geräucherten Paprikapulver. Das bringt einen eher kräftig-scharfen Geschmack an die Bohnen, den ich sehr mag. Zusätzlich wird die Tomatensauce noch mit etwas Essig leicht säuerlich gemacht, das vertragen die Bohnen nämlich auch sehr gut.

Zu Baked Beans passen wunderbar eine Scheibe gutes Schwarzbrot, Hansens Kartoffeltoasties, ein schön gebratenes Spiegelei oder ein paar Scheiben knuspriger Bacon.

Baked Beans, selbst gemacht

Rezept

Dauer: 12 Stunden Einweichzeit, 20 Minuten Vorbereitung, 90 Minuten Kochzeit

Zutaten für die Baked Beans (Für 2 hungrige Cowboys und Cowgirls):

  • 250 g Augenbohnen (Oder weiße Bohnen)
  • 400 ml Tomatensugo
  • 400 ml Wasser
  • 2 EL Tomatenmark
  • 2 Schalotten
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 EL Aceto Balsamico di Modena
  • Etwas brauner Zucker
  • 1/2 TL Pimenton de la Vera
  • 4 Scheiben Speck (wer mag)
  • Salz, Pfeffer

Zubereitung:

1 Die Augenbohnen über Nacht in kaltem Wasser einweichen. Dann 60 Minuten in frischem Wasser kochen und abgießen.

2 In der Zwischenzeit die Schalotten und den Knoblauch schälen und fein hacken. Die Schalotten und den Knoblauch in etwas Butterschmalz glasig dünsten. Dann Tomatensugo, Wasser und Tomatenmark zugeben und gut verrühren. Essig, Pimenten de la Vera und braunen Zucker zugeben und alles etwa eine Stunde bei geschlossenem Deckel und moderater Hitze köcheln.

3 Den Backofen auf 160°C vorheizen.

4 Wer mag kann nun die Speckscheiben auf den Bohnen verteilen. Geschlossen in den Ofen geben und etwa 30 Minuten backen. Danach mit Salz und Pfeffer, ggf. auch mit Essig und braunem Zucker abschmecken. Eine Handvoll gehackte Petersilie macht sich nicht nur optisch gut, sondern schmeckt auch noch.

Quellen

  • Hintergrundinformationen: Wikipedia
  • Altes Rezept: Alice L. McLean: Cooking in America, 1840–1945. Greenwood Press, Westport CT u. a. 2006, ISBN 0-313-33574-5

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