Omas Sauerbraten

„Alte Schätzchen“ sind bei zorras Blog-Event gefragt, das in dieser Ausgabe von Dorothée von Bushcook’s Kitchen ausgetragen wird. Für alte Kochbücher bin ich zu jung – ich habe immer einen Bogen um die 80er-Jahre-Schinken gemacht, die mich doch so gar nicht ansprechen.

Nein, alte Kochbücher sind nichts für mich. Präsentation, Aufmachung, Fotografie der Gerichte – das trifft zumeist einfach nicht meinen Geschmack. Kochbücher sind für mich mehr als Hüllen für Kochanleitungen, sie sind Zeitvertreib, Lektüre und Kunst. Sie sind Kondensator eines multidimensional-kreativen Prozesses. Die „alten“ Kochbücher – die ich zu Hauf im Bücherregal meiner Mutter gewälzt habe – passen da für mich nur selten hinein.

Aber Ausnahmen bestätigen die Regel: Auch ich besitze die Standard-Werke von Marcela Hazan oder Julia Child. Natürlich in Neuauflagen – aber das sei mir verziehen. Klassiker wie die Werke von Bocuse, Ducasse oder Robuchon stehen auf meiner Wunschliste.

Was also tun, wenn Bushcook’s Kitchen „Alte Schätzchen“ ausruft? Die Antwort liegt in der Familie: Meine Oma hinterließ ein handschriftlich geführtes Notizbuch, in dem viele Lieblingsrezepte eingetragen waren. Allesamt Gerichte, an die ich mich gerne zurückerinnere – denn viele davon hat meine Oma auch für mich oder meine Cousine Juliane von Schöner Tag noch! gekocht, wenn wir zu Besuch waren.

Omas SauerbratenOmas Sauerbraten

Ein sonntägliches Standard-Menü bestand aus einer Klößchensuppe aus Mutschelmehl und hausgemachter Fleischbrühe, von der ich immer ein Gurkenglas voll mit nach Hause bekam. Danach gab es meist Omas leckeren, selbstgemachten Sauerbraten mit Kartoffelknödel. Zu diesem servierte Oma einen Bohnensalat mit Joghurt-Dressing. Nachmittags, zum Kaffee, kam dann das Highlight: Omas sensationelle Apfeltorte (Dieses Rezept blogge ich bald, es ist schlicht der weltbeste Apfelkuchen. Haste gehört, Mel?).

Das handschriftliche Kochbuch ist ein wirkliches, altes Schätzchen. Es trägt die Spuren von 70 Jahren und beinhaltet alle Leibspeisen, die meine Oma ihrer kleinen Familie gerne servierte. Das Buch wurde regelmäßig in der Küche benutzt, was sich an diversen Eselsohren, Flecken oder Malereien meines Vaters  und meiner Tante zeigt, die in unbeachteten Momenten ihre eigenen Versionen der Rezepte mit bunten Farben ergänzten.

Omas Sauerbraten

Etwas weiter hinten im Buch findet sich dann eine neue Schrift – meine Tante hatte wohl gerade das Schreiben gelernt und durfte das ein oder andere Rezept ergänzen. Das Buch ist ein echtes Schätzchen, ein kulinarischer Zeuge meiner Familie. Für mich von unschätzbarem Wert.

Und deswegen serviere ich Euch zu zorras Event Omas Sauerbraten, strikt nach Originalrezept zubereitet und mit Melancholie garniert. Ich liebe es. Danke, Oma.

Rezept

Zutaten für Omas Sauerbraten (für 4 Personen):

  • 1,5kg falsches Filet vom Rind
  • ½ L Wasser
  • ½ L Weinessig
  • 2-3 Lorbeerblätter
  • 2 Zwiebeln
  • Etwas Mehl
  • Etwas Butter
  • ½ TL Piment
  • Etwas Rotwein

Zubereitung:

1 Das Fleisch in Wasser, Weinessig, Lorbeerblätter und Zwiebelringen 3-4 Tage einlegen.

2 Eine Zwiebel schneiden. Das Fleisch aus der Beize nehmen, abtrocknen und in etwas Butter (Oma empfiehlt: Biskin) von allen Seiten anbraten. Zwiebeln zugeben und mit Wasser und Beize ablöschen. Oma weist darauf hin, nicht zu viel von der Beize zu nehmen, damit die Sauce nicht zu sauer wird. Dann das Fleisch zugedeckt etwa eine halbe Stunde köcheln lassen.

3 Backofen auf 200°C vorheizen. Etwa 2 Stunden garen lassen, währenddessen immer wieder Flüssigkeit nachgießen.

4 Für die Sauce eine Mehlschwitze zubereiten (Oma empfiehlt pro Person 1 EL Mehl). Etwas Zucker zugeben und mit Wasser ablöschen. Den Bratenfond durch ein Sieb passieren und zur Mehlschwitze geben. Mit Salz, Pfeffer und Piment abschmecken. Ggf. Beize nachgeben, bis die Sauce den gewünschten sauren Geschmack hat. Oma schreibt: „Nach Belieben noch etwas Rotwein zugeben.“ Gerne.

Dazu passen selbstgemachte Kartoffelknödel und Rotkraut.

Mehr von Oma