Weiter geht’s in der Reihe „Fertigprodukte selbst gemacht“. Heute: meine liebste Dessert-Sauce, eine einfache, klassische Vanillesauce, ohne Netz und doppelten Boden. Nur eben selbst verbrochen. Ohne Tütchen und so.

Wenn man an sich selbst den Anspruch erhebt, möglichst vieles selbst zu machen, dann ist das immer mit zwei Dingen verbunden: Einem zeitlichen Mehraufwand und meist auch höheren Kosten. Ich bin der festen Überzeugung, dass gute Ernährung und der Verzicht auf Fertigprodukte in aller erster Linie der menschlichen Faulheit geschuldet ist.

Ich werde dem Argument „Uwe, selber machen schön und gut, aber das kostet mir alles zu viel Zeit“ im Rahmen dieser Serie nie ein entkräftendes Argument begegnen können, wenn die Bereitschaft, die eigene Ernährungsweise und der Stellenwert dieser im Gesamtkontext des eigenen Lebens zu hinterfragen und neu zu bewerten, nicht gegeben ist. Aber alles halb so schlimm, ich will ja nicht missionieren, sonder Alternativen aufzeigen. Und die beste Alternative zu Fertigprodukten ist nun mal die eigene Herstellung.

Dann ziehen wir mal wieder zur Rose ab

Deswegen möchte ich Euch heute mit meiner liebsten Dessert-Sauce beglücken, die gemessen an der Länge der Zutaten einfach, aber hinsichtlich des Handwerks für fortgeschrittenere Küchengötter geeignet ist. Im Prinzip wird eine Eiercrème hergestellt, die mit Vanille ordentlich aromatisiert wurde. Das „ordentlich“ wird in diesem Kontext über die Zeit geregelt, die die Vanille haben sollte, Besitz von der Flüssigkeit zu ergreifen. Die Schwierigkeit besteht dann darin, die Sauce zu binden. Das wird durch die Zugabe von Eiern übernommen und ist nicht ganz trivial: Die Eiermasse darf nicht heißer als 78°C werden, da diese sonst zu stark gerinnt. Die Bindung (Koagulation) setzt etwa bei einer Temperatur von 60°C ein.

Vanillesauce, selbst gemacht

Bindet man eine Crème mit Ei, so liest man häufig, man möge die Masse „zur Rose abziehen“. Darunter versteht man folgendes: Am besten setzt man den Crème-Ansatz in einer Metallschüssel auf ein heißes Wasserbad. Dann gibt man langsam das Ei, am besten vermischt mit Zucker, unter stetem Rühren hinzu. Nun muss die Masse über dem Wasserbad solange gerührt werden, bis die Bindung perfekt ist. Dies wird mit einem Trick überprüft. Man taucht einen Holzkochlöffel in die Masse und pustet auf die Rückseite des Löffels. Wirft die Masse Falten, die an den Anblick einer Rose erinnern, ist die Crème fertig – man hat sie „zur Rose abgezogen“. Dieses Unterfangen ist nicht ganz einfach und erfordert etwas Geduld. Besser geht es über einem Wasserbad, wer sich traut, kann den Topf aber auch auf die Platte stellen. Aber Achtung: Runter mit der Hitze! Chef Hansen gibt übrigens noch den tollen Tipp für den Fall, dass das Ei doch einmal beschlossen hat, zu gerinnen: „Nicht verzagen, Zauberstab fragen“. Vielleicht lässt sich so ja wirklich eine Rettung herbeiführen.

Eine selbst gemachte Vanillesauce erkennt man meist an den vielen kleinen Punkten, den Samen der Vanilleschote. Fehlen diese, so kann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass es sich um ein Fertigprodukt handelt, wie andernorts beobachtet.

Meine Vanillesauce esse ich gerne zu Süßspeisen wie Dampfnudeln (uuuh, das Rezept ist alt, das Foto schrecklich, aber das Gericht ist gut…), Reisauflauf, Waffeln, Germknödeln oder aber auch Apfelstrudel.

Als nächstes werde ich Euch im Rahmen der Serie „Selbst gemacht“ Baked Beans vorstellen…

Vanillesauce, selbst gemacht

Rezept

Dauer: Etwa 20 Minuten

Zutaten für die Vanillesauce, selbst gemacht (ergibt 500 ml):

Zubereitung:

1 Die Milch in einen Topf füllen. Die Vanilleschote aufschneiden und das Mark mit dem Messerrücken auskratzen. Mark und Schote mit den Orangenschalen in die Milch geben. Dann die Milch einmal aufkochen und anschließend mit geschlossenem Deckel eine halbe Stunde ziehen lassen.

2 Derweil die Eier mit dem Zucker schaumig schlagen, bis die Masse heller wird.

3 Die Milch wieder auf die Herdplatte stellen und bei moderatester Hitze erwärmen. Die Eiermasse langsam und nach und nach in die Milch geben, ständig rühren und zur Rose abziehen. Die Masse nicht über 78°C erhitzen, weil sonst das Ei gerinnt!