Schokoladenpudding, selbst gemacht

Kaum ein anderes Produkt kommt so selbstverständlich aus der Tüte wie ein Pudding. Eine ganze Generation hat verlernt, den Pudding wie zu Omas Zeiten selbst ohne Tütenmischungen herzustellen. Dabei ist es weder schwer noch benötigt es mehr Zeit.

Tüte auf, Pulver verrühren, erhitzen, fertig: Der größte Vorteil von Tütenprodukten scheint der zu sein, dass man während der Zubereitung nichts mehr denken muss. Aber gerade in Punkto Ernährung lohnt sich das Denken besonders, denn schließlich wollen wir unserem Körper per se ja nichts Schlechtes zuführen. Die Nahrungsmittelindustrie hat es über die Jahre geschafft, Wissen über die Herstellung mancher Gerichte und Produkte komplett aus der Mitte unserer Gesellschaft zu verdrängen. Während meine Großeltern noch genau wussten, wie Pudding, Vanillesauce, Marmelade, Tortenguss, Fonds, Vinaigrettes oder Eingemachtes selbst hergestellt werden, beherrscht das heute aus dem Stegreif kaum mehr jemand. Mehr noch: Die Anzahl der Convenience-Produkte und damit die Vereinheitlichung von Geschmack steigt von Jahr zu Jahr an. Egal ob Früchtejoghurt, Kartoffelsalat, Kartoffelbrei oder Würzmischungen für diverse Gerichte – Schritt für Schritt werden für alles industriell gefertigte Denk-Substitutionsprodukte geboten (Das gipfelte neulich in gekochten, geschälten Eiern). Und das kann’s doch nicht sein.

Deshalb gibt’s 2014 eine kleine neue Serie auf dem Blog: Ich möchte zeigen, welche Fertigprodukte wir mit Selbstverständlichkeit kaufen, obwohl die eigene Herstellung einfach ist und ein viel besseres und gesünderes Ergebnis erzielt. Den indirekten Anfang hat letzte Woche der Glühwein gemacht: Auf den Weihnachtsmärkten der Republik findet sich momentan wieder das Trauerspiel von billigem Rotwein in dampfenden Töpfen, vermischt mit viel Zucker, das sich dann „Glühwein“ nennt. Aber neben Glühwein gibt’s noch viel mehr industriell verbranntes Land, das rückerobert werden will – in einem kurzen Brainstorming bin ich schnell auf 60 Kleinigkeiten gekommen, die wir im Alltag selbstverständlich ohne nachzudenken als Fertigware benutzen, anstelle sie selbst herzustellen.

Eine weitere Dimension bekommen diese Gedankengänge, wenn Kinder im Spiel sind. Nicht falsch verstehen: Auch sich selbst sollte man das beste gönnen – doch fangen die meisten Menschen erst an, bestimmte eingeschlichene Verhaltensmuster zu hinterfragen, wenn Kinder die Bühne des eigenen Lebens betreten. Ohne Frage, bei mir war und ist das auch so. Und das ist gut.

Schokoladenpudding, selbst gemacht

Meine Kinder lieben Schokopudding. Oft genug habe ich reflexartig zur Tüte gegriffen, wenn von rechts und links unten der Wunsch nach Süßkram mit dem Kinder eigenen Nachdruck an mein Gehör getragen wurde. Schluss damit. Ich will kontrollieren können, was im Pudding ist. Ich möchte sicherstellen, dass Kakao benutzt wird, der ordentlich produziert und fair gehandelt wurde. Ich möchte Aromenvielfalt und variieren können. Ich möchte die Menge an Zucker kontrollieren können. Das geht einfach, ist nicht kompliziert und braucht nur minimal mehr Zeit als mit Tüte.

Ich habe also meine Kids zusammengetrommelt zum gemeinsamen Pudding kochen. Das funktioniert nun immer besser, ich muss nur zusehen, dass die Racker immer etwas zu tun und zu probieren haben und die Gesamtdauer bis das fertige Produkt zu sehen ist nicht zu lange dauert. Meine Hoffnung: Wenn ich die Kids ins Kochen integriere, vermittle ich sowohl Bewusstsein für das Essen als auch Wissen. Soweit die Theorie – ob das funktioniert werde ich erst in 10 Jahren beurteilen können. Was ich auch festgestellt habe: Die Motivation lässt sich unterstützen, wenn den Kindern kindgerechtes Werkzeug zur Verfügung steht: Kleine Schüsseln, Schneebesen, Töpfe – gern auch eine passende Schürze, oder eine Kochmütze (Nette Sachen gibt’s z. B. hier).

Für einen guten Schokoladenpudding brauchst Du also Milch und Sahne, guten, fair gehandelten Kakao, ein wenig Speisestärke und Eigelb für die Bindung sowie eine Reihe von Gewürzen, die je nach Stimmung und Jahreszeit eingesetzt werden können. Ich habe für dieses Rezept eher winterliche Gewürze wie Sternanis, Zimt oder Schalen von Zitrusfrüchten genommen. Die Aromen der Gewürze musst Du zunächst an die Milch-Sahne-Mischung übertragen. Dafür erhitzt Du die Milch mit der Sahne, gibst die Gewürze zu und lässt alles eine Weile ziehen. Danach kommen Kakao, Stärke, Eigelb und Zucker hinzu. Durch erneutes Erhitzen wird der Pudding gebunden, durch das Abkühlen wird er fest. Fertig. Ganz ohne Tüte. Und dreimal so lecker.

Schokoladenpudding, selbst gemacht

Rezept

Zutaten für den selbst gemachten Schokoladenpudding (Ergibt 2 große oder 4 kleine Portionen):

  • 300ml Milch
  • 200ml Sahne
  • 4-5 EL Kakao (Ein guter, fair gehandelter!)
  • 3-4 EL Zucker, je nach Gusto
  • 4-5 TL Speisestärke
  • 2 Eigelb
  • 1 Vanilleschote
  • Schalen einer Zitrone
  • Schalen einer Orange
  • 1 Sternanis
  • 1 Zimtstange

Zubereitung:

1 250 ml Milch mit 200 ml Sahne vermischen und erwärmen. Die Vanilleschote auskratzen und das Mark in die Milch-Sahne-Mischung geben. Die Schote ebenfalls, genau wie die Zimtstange, den Sternanis und die Schalen der Zitrone und Orange. Gut erhitzen, jedoch nicht kochen. Sahne-Milch vom Herd nehmen und etwa eine halbe Stunde ziehen lassen.

2 Die Gewürze durch ein Sieb filtern, die Sahne-Milch wieder in den Topf schütten und mit dem Kakao verrühren. Erwärmen. Derweil die Speisestärke mit der restlichen Milch verrühren bis die Flüssigkeit völlig Klümpchen-frei ist. Mit einem Schneebesen unter die Kakao-Masse geben und solange rühren, bis der Pudding eindickt – das geschieht mitunter plötzlich. Pudding vom Herd nehmen.

3 Mit einem Handrührgerät den Zucker und das Eigelb gut vermischen. Die Masse unter den Pudding heben, gut verrühren.

4 Den Pudding auf Schüsselchen verteilen und abkühlen lassen, bis er fest geworden ist.

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