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Wenn ich ein Ranking der verrücktesten Kochbücher in meinem Regal aufstellen müsste, dann wäre „The Icecreamists: Exklusive Eiscrème und andere Laster“ ziemlich weit vorne. Das Buch besticht durch sehr gute Rezepte, einen wunderbaren Wortwitz und ein aberwitziges Layout.

„Liberating the world one lick at a time“ steht da etwas versteckt im Logo des Buches zu lesen. Das Buch befreit die Welt von der Masse schlechter Eiscrème, zusammengeschusterter Chemiekugeln und aromazersetzten Alibi-Eises. Auf diese Massenware hat man nämlich keine Lust mehr, wenn man zum ersten Male ein Vanille-Eis mit „echter“ Vanille genießen durfte.

Die „Agents of Cool“ bringen im Buch sowohl Klassiker als auch abgefahrene Rezepte unter das Volk und bauen dabei auf einer Standard-Mixtur auf, die sich von Rezept zu Rezept wiederholt und nur durch zusätzliche Geschmackskomponenten erweitert wird. Die Basis für Eiscrème besteht zumeist aus 250ml Vollmilch, 125g Crème Double, 2 Eigelb und 88g Zucker. Daraus entsteht eine Eiercrème, die im Laufe der Zubereitung mit dem eigentlichen Geschmacksträger vermischt wird.

Die Kreationen tragen dabei so illustre Namen wie „Chocwork Orange“, ein Schokoladeneis mit Orangenkomponente, „Ingwiana Jones“, ein fantastisches Ingwereis oder „Jesus Christ Scooperstar“ – ein schlichtes Fior di Latte. Wortspielenthusiasten kommen so im Buch voll auf ihre Kosten, denn die Autoren nehmen die Materie nicht so ernst und pflegen eine gesunde Selbstironie. Die sprachliche Präsentation der Eiskreationen schlittert damit immer auf dem schmalen Grad des Kitsches, driftet aber nie auf die peinliche Seite ab. Das hat zur Folge, dass es wirklich Freude bereitet, die Texte zu lesen und auf Entdeckungsreise zu gehen: Auf den einzelnen Rezeptseiten sind viele Informationen versteckt, teils grafisch verpackt, teils textuell.

"The Icecreamists" von Matt O'Connor [Rezension]

Das Buch folgt einem einfachen Aufbau: Zunächst widmet sich der Autor – Matt O’Connor zeichnet für das eiskalte Werk verantwortlich – diversen Grundrezepten für Eis und Sorbets, die er dann im zweiten Teil des Buches zu komplexeren Kompositionen wie Eisbecher, Desserts oder Cocktails ausbaut. Im Grundlagenteil wird stets auf die fortgeschrittenen Rezepte verwiesen. Die Grundrezepte behandeln dabei jedoch nicht nur die üblichen Verdächtigen, sondern gehen schnell ich ungewöhnlichere Kreationen über: Eiscrème mit Minze, Mascarpone oder Espresso reihen sich zwischen Popcorn-Eis, Earl-Grey-Kreationen und gewürzter Kürbis-Eiscreme ein: Die Anregungen und Inspirationen scheinen endlos.

Die Gestaltung des Buches ist extravagant. Jedes Rezept besitzt ein eigenes Foto, das geschmackvoll und technisch hochwertig produziert ist. Die Präsentation der Eiscrème ist fantasievoll und passt zum generellen „Rock’n’Roll“-Image, das sich das Buch versucht zu eigen zu machen. Auch hier meistern die Macher die Gradwanderung zum Kitsch hervorragend und bieten neue, visuelle Anreize, die das Kochbuch von anderen deutlich abheben.

Rock’n’Roll Icecream

Die Rezepte sind klar formuliert und in sinnvolle Arbeitsschritte gegliedert. Eine allgemeine Einleitung erklärt die wichtigsten Grundsätze der Eisherstellung und führt auch Neulinge gut an das Thema heran. Die Rezepte sind ganz klar auf die Zubereitung mit einer Eismaschine ausgelegt. Der Autor bemüht sich zwar aufzuzeigen, dass die Zubereitung grundsätzlich auch ohne Eismaschine möglich aber keinesfalls mit dem Ergebnis eines entsprechenden Gerätes zu vergleichen ist. Dieser Maxime folge ich: Du solltest schon eine Eismaschine besitzen, wenn Du die Rezepte bestmöglich zubereiten möchtest. Was mir besonders gut gefällt: Die meisten Rezepte beruhen auf dem selben Grundrezept. Wenn Du es einmal geschafft hast, eine gute Eiercrème herzustellen, so hast Du die wichtigste Komponente der Eisherstellung gelernt und verstehst, wie Du selbst neue Eiskreationen erstellen kannst. Das Grundrezept ist ausgewogen – für mich lediglich einen Tick zu süß, aber das ist Geschmackssache. Ich habe mit diesem Grundrezept die bislang besten Ergebnisse erzielt.

Aus dem Buch habe ich schon einige Rezepte zubereitet – meist sehr klassische Rezepte. Ein selbst hergestelltes Vanilleeis ist mit nichts auf der Welt zu vergleichen – ich habe noch nie ein so intensives Vanillearoma in einem Eis geschmeckt und möchte eigentlich nie mehr etwas anderes essen. Mir ist die Lust auf im Supermarkt gekauftes Eis endgültig vergangen. Das Vanilleeis servierte ich mit ein wenig Kürbiskernöl und gerösteten Kürbiskernen – das solltest Du unbedingt einmal ausprobieren.

„Fior di Latte“ bedeutet übersetzt Milchblume und stellt das wohl reinste Eis dar: Neben Crème Double und Milch kommen nur noch Eier und Zucker in das Eis sowie eine kleine Prise Salz. Deswegen ist es wichtig, dass für diese Eiscrème nur die besten Zutaten verwendet werden. In Deutschland habe ich bislang noch in keiner Eisdiele „Fior di Latte“ gesehen, dabei gehört dieses Eis definitiv zu meinen absoluten Favoriten. Zusammen mit Mandelhippen und Portwein-Pflaumen habe ich es als Dessert zu einem Menü serviert.

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Meine kleine Tochter liebt Schokoladeneis. Im Buch finden sich diverse Anregungen für die unterschiedlichsten Schoko-Kreationen: Mit Zartbitterschokolade, mit Milchschokolade, mit weißer Schokolade. Jedes Eis besticht durch eigene feine Geschmacksnuancen und hat meinem kleinen Schokofreak sehr gemundet.

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Fazit

„The Icecreamists“ von Matt O’Connor ist das beste Eis-Kochbuch, das ich besitze und bisher in den Händen halten durfte. Das Buch hebt sich sowohl inhaltlich als auch seitens der Gestaltung vom Einheitsbrei ab und besticht durch ungewöhnliche Eiskreationen, die man in keiner Standard-Theke einer Eisdiele findet. Das Buch eignet sich bestens für Leute, die eine Eismaschine besitzen und Spaß daran haben, neue Kombinationen auszuprobieren.

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"The Icecreamists" von Matt O'Connor
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