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Seit einigen Jahren schon sind Kerstin Getto (cookingaffair.de) und ich befreundet. Uns verbindet die Liebe zu gutem Essen, zu grenzenlosem Genuss, zu großer Experimentierfreudigkeit. Wahrscheinlich verbindet uns auch, dass wir schon auch ein wenig verrückt sind, wenn es um gutes Essen geht.

Nun hat meine liebe Freundin Kerstin (endlich!) ein Kochbuch geschrieben, das ich heute rezensiere. Die Tatsache, dass wir uns kennen, lässt die Objektivität des Artikels immer etwas wackelig dastehen, aber Kerstin weiß, dass ich das Buch nicht rezensieren würde, hielte ich nicht viel davon. Wohlan!

Es soll ein schöner Abend werden, mit Freunden treffe ich mich in einem kleinen, netten Restaurant. Der Kellner kommt, bringt die Weinkarte. Unabgesprochen abgesprochen wandern alle Augen zu mir, auffordernde Blicke, frohe, die Verantwortung delegierende Blicke. „Das macht der Uwe, der kennt sich mit Essen aus“, und der Kellner gibt mir die Karte.

Diese kleine Szenerie beschreibt ein allgegenwärtiges Dilemma: wenn es darum geht, Wein zum Essen auszusuchen, bekommen viele Menschen feuchte Hände, der Angstschweiß läuft einem kalt über die Stirn. Zu groß scheint die Gefahr zu sein, nun einen Fehler zu machen, die eigene Unwissenheit zu offenbaren. Meine Freunde waren froh, die Verantwortung delegieren zu können, ich hatte den Druck.

Ich bin mir nicht sicher, wie es passieren konnte, dass die Hoheit über „was richtig ist“ im Kontext des Weingenusses irgendwann einer pseudo-elitären Gruppe anheim fiel, die fortan Hürden aufbaute und die Thematik verkomplizierte. Unzugänglich machte. Dies hat dazu geführt, dass viele Menschen Berührungsängste haben, dass viele Menschen lieber keinen Wein zum Essen anbieten, aus Angst, aus Unwissenheit einen Fehler zu machen.

Es ist Zeit, sich dieses Hoheit zurückzuholen. Gut ist, was schmeckt. Genau hier setzt Kerstin Gettos Buch an: es macht Mut, es macht Lust, es fordert mundwässernd dazu auf, alle Bedenken fallen zu lassen, alle Zweifel mit einer bestimmten Bewegung beiseite zu wischen, es hilft anschaulich und einfach, gänzlich ohne Bevormundung, gutes Essen mit gutem Wein zu kombinieren.

Riesling-Senf-Kaviar mit Gurke; Foto: Kerstin Getto

Zander im Speckmantel auf Sauerkrautravioli mit Rieslingschaum; Foto: Kerstin Getto

Auf 178 Seiten liefert Kerstin viele Rezepte von Vorspeisen bis Desserts, von feinsinnig bis gehoben deftig, immer mit einem passenden Vorschlag für einen korrespondierenden Wein. Kerstin zeigt, wie einfach es ist, Genuss zu kreieren, für ein schönes kulinarisches Erlebnis in der Familie oder im Kreise guter Freunde zu sorgen.

Gleich nach dem Aufschlagen des Buches finde ich im Einband eingearbeitet eine einfach, leicht konsumierbare Übersicht über die gängigsten Weinsorten, untergliedert in Kategorien wie „leichter Weißwein“, „kräftiger Weißwein“ oder „kräftiger Rotwein“. Die Kategorien werden gefüllt mit darunter aggregierbaren Rebsorten, und darunter, schön tabellarisch dargestellt, mit passenden Gerichten. So erfahre ich auf einen Blick, dass zu meinem Lieblingsriesling Geflügel, Terrinen, geschmortes Kaninchen oder Krabben passen.

Ein einfacher Leitfaden, der funktioniert, der alles scheinbar Magische aus der Materie pulverisiert.

Die Kategorisierung der Rezepte folgt diesem Duktus, und so bekomme ich nicht nur ein Schaubild, sondern gleich viele nachahmenswerte Gerichte auf dem Silbertablett serviert.

Kerstins Küche ist bodenständig-gehoben, immer mit einem gewissen Etwas, das die Kreationen besonders macht, ihnen einen Twist gibt, der mir ein Grinsen auf’s Gesicht und dem geneigten Esser ein Aha-Erlebnis auf die Zunge zaubert.

Kerstins Küche hat starke Wurzeln, das „Pfälzer Mädel“ besinnt sich dieser und arbeitet die manchmal deftige, manchmal feinsinnige Küche gekonnt in die Rezept-Kreationen ein. Die räumliche Nähe zu Frankreich ist nicht nur in den Rezepten spürbar, sie erklärt auch das starke Faible für Weine und deren Omnipräsenz in Kerstins Philosophie.

Es braucht keine Ausbildung, um Wein genießen zu können. Es braucht keine pseudo-elitäre Meinungsführerschaft, die mit kruden und verschlüsselten Botschaften eine klare Aufteilung in „wissend“ und „nicht-wissend“ zu etablieren sucht. Was es braucht ist Lust, sich mit einem Thema zu beschäftigen, ist Mut, es einfach auszuprobieren.

Kerstins Buch macht Mut. Macht Lust. Lust auf ungezügelten Genuss. Lust auf Wein. Lust auf gutes Essen. Danke Dir, Kerstin!

Poulet au Riesling; Foto: Kerstin Getto

Heidelbeerkaltschale mit Joghurtmousse und Pistazienkeks; Foto: Kerstin Getto

„Food, Love & Wine – Die besten Rezepte zum Wein“ von Kerstin Getto und Natalie Lumpp
Hölker Verlag, 2017
ISBN 978-3-88117-123-6

"Food, Love & Wine" von Kerstin Getto
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