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Diese Rezension ist ein wenig untypisch: Stevan Pauls neues Werk ist kein Kochbuch, sondern ein wirklich empfehlenswerter Roman, in dem natürlich auch die Kulinarik nicht zu kurz kommt. Eine Leseempfehlung.

Die Liege steht schon seit einer halben Stunde in der vollen Sonne. Wahrscheinlich habe ich einen Sonnenbrand am linken Schienbein, denn natürlich habe ich seither auch vergessen, mich einzucremen. Der Thalamus arbeitet auf Hochtouren und filtert alles andere rigoros aus. Den Sonnenbrand auf dem linken Schienbein, den völlig geschmolzenen Eiskaffee, das Nörgeln des chronisch unzufriedenen kleinen Nachbarsjungen, das am Horizont blitzende blaue Meer, meine im Pool planschenden Kinder, meine Frau.

Nach etwa 80 Seiten zog mich Stevan Pauls erster Roman „Der große Glander“ völlig in seinen Bann, Seite um Seite verschwindet nun im Nirvana des digitalen Lesegerätes. Stevan Paul, sonst eher bekannt für seine vielen guten Kochbücher (wie zum Beispiel „Deutschland vegetarisch“ oder „Auf die Hand“) erzählt in seinem neuen Roman den Aufstieg des Gustav Glander, einem Kind vom Lande, zu einem international erfolgreichen und in New York vielgeachteten Künstler, der auf diesem Weg seine wahre Berufung – das Kochen – erkennt und beschließt, dieser nachzugehen.

Das Buch handelt von Sehnsüchten, vom Wesentlichen, von der Rückbesinnung auf die wirklich wichtigen Dinge, vom Finden der eigenen Berufung, vom Heimkommen und letzten Endes vom Ankommen im Leben.

Stevan Pauls erzählt die Geschichte dabei gewohnt lebendig, schafft es, viele lustige Momente zu schaffen und speziell gegen Ende des Buches eine Emotionalität beim Leser zu erzeugen, die einen das Buch nicht aus den Händen legen lässt. Seine Wurzeln werden aber auch in diesem Roman deutlich erkennbar: Besonders wortgewaltig sind vor allem die Passagen, in denen Stevan Paul kulinarisch wird, über die Liebe zum Essen schreibt, Rezepte schildert, verlorenes Wissen geschickt in so manchem Absatz unbewusst de geneigten Leser vermittelt. Dann verwandelt sich Fiktion in ein sehr emotionales Plädoyer, das sich problemlos in die eigene Realität übertragen lässt. Und die gute Geschichte gibt es gratis dazu.

"Der große Glander" von Stevan Paul
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