Viele der folgenden Punkte mögen für Euch Foodblogger nicht neu sein, da Ihr doch beinahe täglich Rezepte schreibt und Eurer Leserschaft zur Verfügung stellt. Auch ich dachte anfangs, dass ich mir über den Aufbau der Rezeptbeschreibung keine großen Gedanken machen muss, bis ich feststellte, dass sich die einzelnen Rezepte durchaus unterscheiden und nicht immer einem roten Faden folgen.

Auf einem Blog ist das nicht so schlimm, wenn man hier und da vom Muster abweicht und auch einmal etwas frischen Wind in seine Posts bringt. Dennoch versuche ich, bestimmte Teile immer gleich aufzubauen. Das Schreiben eines Kochbuches ist da etwas anderes.

  • Man hat nur begrenzt Platz und kann ein Rezept nicht über mehrere Seiten laufen lassen – das macht das Lesen schwierig. Kochbücher sind schließlich Arbeitsbücher, die als Anleitung fungieren sollen (und nicht ausschließlich als Quell für Inspiration, auch wenn die Ästhetik für mich das wichtigste Kriterium ist).
  • Eine Buchseite wird als Template gestaltet – als Vorlage. Im Buch wird es durchaus mehrere Vorlagen für die Darstellung von Rezepten geben, die aber alle Limits besitzen werden: Beschränkung der Anzahl und Größe der Bilder, Beschränkung der Zeichenanzahl für Zutatenlisten, Einleitungen und Beschreibungen sowie für Bildunterschriften und Tipps.
  • Im Buch soll der Text gut lesbar sein. Jeder kennt die Situation: man steht mit dem Buch in der Küche und sucht nach der Ausführung der ersten Schritte verzweifelt die Stelle, an der man in der Beschreibung weiter lesen muss. Eine kleine Schrift, geringer Zeilenabstand und unübersichtlich lange Texte frustrieren dabei.

Um meine Texte also einheitlich zu gestalten, habe ich mir eine Liste mit vielen Tipps und Vorgaben zusammengestellt, die ich beim Schreiben der Texte als Regelwerk und Checkliste benutzen kann. So gewährleiste ich, dass ich die Form und den Umfang wahre und homogen gestalte.

Meine Rezepte im Buch werden also immer folgende Elemente besitzen (Stand heute):

  • Einen Rezepttitel
  • Eine Einleitung
  • Angabe für die Personenanzahl, die mit dem Rezept bedient werden kann
  • Eine Zutatenliste
  • Eine Vorgangsbeschreibung
  • Ein Bild, ggf. eine Bildunterschrift
  • Relevante Glossarbegriffe

Der Rezepttitel:

  • Knapp und präzise. Der Titel sollte nicht zu lange aber auch nicht zu kurz sein, aber dennoch neugierig machen. Der Titel verkauft das Rezept und schürt Erwartungen. Beispiel: „Saltim Bocca von der Jakobsmuschel auf Steinpilzrisotto“ und nicht „Jakobsmuscheln mit Risotto“.
  • Verniedlichung sollte vermieden werden, da diese Elemente nichts über das Rezept sagen. Beispiel: „Uwes super leckere yummy-yummy Big-Bang-Burger“ (Oh, da ging’s mit mir durch. Vielleicht überlege ich mir diesen Punkt nochmal).
  • Einheitlicher Sprachstil. Nicht zwischen den Rezepten wechseln zwischen ultrakurzen Zweiwort-Angaben und ausführlicheren Beschreibungen. Entweder versuche ich immer, Titel à la „Cordon Bleu“ zu schreiben oder à la „Gefülltes Schmetterlingsschnitzel im Semmelbröselmantel“.

Die Einleitung:

  • Nicht labern. Nein, nicht labern. Wenn es zu einem Rezept nicht mehr als einen präzisen Satz zu sagen gibt, dann nicht künstlich aufblasen. Uh, das wird hart, weil ich schon so ein bisschen eine Laberbacke bin, behauptet zumindest meine Schwester. Na, wahrscheinlich nicht nur die. Und da es zu diesem Punkt eigentlich auch nicht mehr zu sagen gibt, reicht’s hiermit. Ich muss ja üben.
  • Das Rezept verkaufen. Die Einleitung sollte beschreiben, was das Rezept ausmacht. Warum man es unbedingt nachkochen muss. Oder warum ich es für angemessen halte, dass das Rezept in diesem Buch steht.
  • Essentielle Informationen sollten vermittelt werden. Wenn also bestimmte, ausgefallene Utensilien oder Zutaten benötigt werden, sollte man das gleich zu Beginn erwähnen und ggf. Alternativen aufzeigen. Das Buch ist Inspiration, Anleitung und Lösung in Personalunion.

Die Zutatenliste

  • Die richtige Reihenfolge. Alle Zutaten sollen in der Reihenfolge gelistet werden, in der sie benutzt und gebraucht werden.
  • Vorbereitungen und Unterrezepte. Es macht Sinn, Unterrezepte – wie beispielsweise die Zutatenliste für eine Vinaigrette – gesondert in der Zutatenliste aufzulisten.
  • Sinnvolle Maßeinheiten benutzen. Beispiel: Eine kleine Zwiebel. 1-2 cm Ingwer.
  • Keine ungewöhnlichen Maßeinheiten benutzen. Stringent bleiben.

Die Vorgangsbeschreibung

  • Kurz fassen. Keine ausschweifenden Beschreibungen, aber auch keinen Telegrammstil benutzen.
  • Arbeitsschritte durch Absätze trennen. Sorgt für eine bessere Lesbarkeit und Auffindbarkeit des nächsten Schrittes.
  • Stringenz. Immer die gleichen Begriffe für bestimmte Arbeitsschritte oder Utensilien benutzen. Beispiel: Entweder von „Sahne“ oder „Süßer Sahne“ sprechen. Dazu sollte eine Liste angelegt werden, gegen die die fertigen Texte später getestet werden können (Dies kann auch automatisch durch ein kleines Skript erfolgen).
  • Die Reihenfolge wahren. Die Vorgangsbeschreibung sollte einen logischen Ablauf besitzen, der alle zeitlichen Komponenten berücksichtigt.
  • Anschauliche Sprache. Adjektive, Beispiele und anschauliche Tipps helfen beim Gelingen des Rezeptes. Beispiel: Nicht „Bei 180°C 10 Minuten backen“ schreiben sondern „Bei 180°C ca. 10min backen, bis die Kekse goldbraun sind.“

Habt Ihr noch Tipps für mich? Habe ich etwas vergessen? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare.