Gastartikel: Im Wein liegt die Wahrheit – früher wie heute

Weinexperte Bruno Jeggli

Die Redewendung in vino veritas ist ein gutes Beispiel dafür, wie bedeutend Wein sowohl in der Vergangenheit für die Menschen war als auch in der Gegenwart noch ist. Nicht viele Getränke üben solch eine Faszination und Polarisation aus wie der variantenreiche Rebensaft. Bereits im Altertum war er ein begehrtes und gefragtes Getränk. So wie wir heute die Verwendung des Weins gewöhnt sind, war zur damaligen Zeit noch nicht viel davon zu bemerken. Der Vormarsch des Weins ist viel älter und gewichtiger als die allermeisten geschichtlichen Vermächtnisse.

Man muss sehr weit zurück in die Vergangenheit blicken, um der Tradition des Weins auf die Spur zu kommen. Der Ursprung lässt sich zwar nicht exakt einordnen, aber es ist bekannt, dass die ersten alkoholischen Getränke schon vor rund 9.000 Jahren in China getrunken wurden. In tönernen Gefäßen wurden von Forschern Spuren von Honig, Reis und Weintrauben gefunden. Erst als die Nomadenvölker sesshaft wurden, begannen sie damit, die Reben gezielt anzubauen. Dadurch war es erst möglich, die Zeit der Ernte genau festzulegen. Durch Ausgrabungen im Iran entdeckten Wissenschaftler eine der ersten Weinkellereien der Geschichte. Sie ist vermutlich mehr als 7.000 Jahre alt.

Bereits in der Frühzeit war der gegorene Rebensaft in der Gesellschaftsordnung von besonderer Wichtigkeit. Auch bei den damals hoch entwickelten Römern und Griechen findet sich eine Verehrung in Form der göttlichen Symbolträger Bacchus und Dionysos. Die altägyptischen Hohepriester verwendeten Wein sogar als Opfergabe, was durch historische Quellen belegbar ist. Dem gegenüber steht die griechische Gepflogenheit, den Wein nur mit Wasser verdünnt trinken zu dürfen. Ansonsten hätte man sich mit den Barbaren auf eine gleiche Ebene gestellt, die das Getränk pur zu sich nahmen. Auch die Römer und die Menschen des Byzantinischen Reichs sahen Wein als hohes Gut an, deshalb wurde er an hochgediente Soldaten und Politiker für deren besondere Verdienste ausgehändigt. Wein galt damals nicht unbedingt als Genussmittel, sondern wurde eher als Heil bringendes Getränk angesehen. „In der Zeit des Mittelalters wurde das Trinken von Wein dem Genuss von Bier und Wasser vorgezogen“, erklärt Bruno Jeggli, Weinexperte aus der Schweiz. „Die Menschen glaubten, dass Wein verdauungs- und durchblutungsfördernd und außerdem stimmungserhellend wirkt“, so der Experte weiter. Auch heute noch werden diese Attribute dem Wein zugeschrieben.

Der in der Neuzeit gängige Anbau von Qualitätswein entwickelte sich erst nach und nach in den letzten Jahrhunderten. Die hochwertigsten Weine kommen aus Frankreich, Italien und Spanien, auch wenn es inzwischen aus Übersee sowie aus Asien und Australien ähnlich gute Weine in die Weinhandlungen schaffen. Zu den begehrtesten Sorten gehören der klassische Rotwein und der aus den hellen Weintrauben gewonnene Weißwein.

Heutzutage überlassen die Winzer oftmals den Weinhändlern die Vermarktung des Weines, weil sie sich besser mit der Materie und der jeweiligen Marktlage auskennen und dieses Wissen an die Weinkellereien weitergeben können. Die Geschichte des nie in die Jahre kommenden Getränks wird somit weiterleben und durch die Liebe zum Wein auch in Zukunft erhalten bleiben.

 

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