Rupert ist ein großer, kräftiger Mann, charismatisch, einer, der stolz von dem erzählt, was ihn den lieben langen Tag beschäftigt: die Herstellung von feinstem Cider und das Destillieren von köstlichem Apple Brandy. Rupert versteht Deutsch, spricht passabel, schließlich hat er kurz nach der Wende einige Jahre im aufregenden wiedervereinigten Berlin verbracht.

Der erste Teil meiner Reise durch das südliche Irland mit geschmorter Lammkeule vom Kamin findet sich hier.

Er führt uns durch den „Walled Garden“ gleich hinter dem Longueville House, in dem die O’Callaghans das Gemüse, die Kräuter und das Obst für das Restaurant selbst anbauen. Nachhaltigkeit wird groß geschrieben, es ist das führende Prinzip des Anwesens. Der „Walled Garden“ wird von hohen Mauern umringt, die ihn vor Wind und Wetter schützen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Vegetation innerhalb der Begrenzungen schon wesentlich weiter ist als außerhalb. In Gartenhäusern ziehen die Gärtner Setzlinge, die sie  zu gegebener Zeit im Außenbereich pflanzen.

Es ist Ende April, die Apfelbäume blühen schon, es sind viele Apfelhaine, die das Anwesen mittlerweile umgeben. Aus ihnen stellt Rupert einmal im Jahr feinsten Apple Cider her, zwei Varianten hat das Longueville House im Angebot, eine süßere mit 5% Alkohol und eine herbere mit 8%. Der „Craft Cider“, wie sie ihn hier in Anlehnung an den Craft-Beer-Trend nennen, hat nichts mit dem pappsüßen Industriecider zu tun, in dem sich viel mehr Zusatzstoffe und Süßungsmittel als Apfelsaft tummeln.

Craft Cider und Apple Brandy

Der Craft Cider besteht zu 100% aus Apfelsaft aus den eigenen Hainen, aus natürlich vorhandener Hefe, die für den Fermentations- und Gärprozess gebraucht wird. Das Ergebnis süßen die O’Callaghans mit purem Apfelsaft, Zucker wird nicht zugesetzt.

Die Herstellung ist dabei dem Keltern von Wein wesentlich ähnlicher als dem Brauen von Bier, was auf der Zunge auch deutlich geschmeckt werden kann: Cider ist deutlich herb im Geschmack, mit feinen Noten und von einer schlichten Eleganz, die ihn zu einem wunderbaren Pairing-Getränk werden lässt. Die Geschichte der Cider-Herstellung lässt sich in Irland lange zurückverfolgen: die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem 12. Jahrhundert, es wird aber davon ausgegangen, dass Cider schon vor 2.000 Jahren auf der Insel hergestellt wurde.

Neben exzellentem Craft Cider destilliert Rupert einen Teil der Ernte zu hochwertigem Apple Brandy, der eigentlich ein „Apple Calvados“ ist, sich aber wegen geschützter Ursprungsbezeichnungen nicht so nennen darf. Samtig weich, angenehm fruchtig mit einem dezent wärmenden Abgang passt ein Glas Apple Brandy wunderbar zu einem Kaminabend im Longueville House, oder aber als Pairing-Getränk zu einem passenden Dessert.

Von Cork nach Dingle, Wild Atlantic Way

Vom Longueville House fahren wir entlang des Wild Atlantic Way entlang der Küste bis nach Dingle, einer kleinen Stadt im Osten Irlands, direkt am Atlantik gelegen. Die Landschaft ist atemberaubend, von kleinen Fjord-ähnlichen Buchten bis hin zu malerischen, verlassenen Stränden und Steilklippen finden sich unterschiedlichste Landschaftsvariationen. Gefühlt könnte ich alle paar Kilometer aussteigen und fotografieren, ein Motiv-Highlight jagt das Nächste.

In Dingle angekommen essen wir im Restaurant „The Skipper“, direkt am Strand gelegen. Es ist ein reines Seafood-Restaurant, die Fische und Meeresfrüchte kommen direkt aus dem Meer vor Dingles Küste, sind am selben Tag gefangen, frischer geht es nicht.

Wir probieren Miesmuscheln, in einem Weißweinsud gekocht und mit Koriander serviert, essen frische Austern, Seeteufel und Seehecht, der Star auf dem Teller ist der Fisch, puristisch zubereitet, ohne Schnickschnack, ehrlich im Geschmack, knackfrisch.

Irish Whiskey und Gin aus Dingle

Neben der Idylle eines verschlafenen Fischerdorfes erreichte Dingle Bekanntheit unter Whiskey-Fans: vor einigen Jahren eröffnete die „Dingle Destillery“, finanziert über einen mehr oder weniger kreativen Ansatz. Whiskey-Fans konnten ganze Jahrgangsfässer zu vergleichsweise geringen Kosten kaufen. Mit den Einnahmen war die Destillerie finanziert. Der Wert der Fässer stieg seither um ein Vielfaches an, die Renditen machen das Investment in Zeiten niedriger Zinsen hochgradig attraktiv.

Seit zwei Jahren destillieren die Brennmeister nicht nur Whiskey, sondern auch Gin auf Basis lokal wachsender Kräuter, die dem Gin eine ganz spezielle Note geben. Sofort kommen mir einige Rezept-Ideen wie in Gin gebeizter Seefisch, Austern mit Gin-Espuma, Seeteufel aus dem Wacholderrauch mit Gin-Kartoffelgratin oder geschmorte Lammkeule mit einer Gin-Sauce. Und tatsächlich: in den Restaurants und Pubs von Dingle finden sich viele Gerichte aus Produkten aus der Region, es ist eine Freude zu sehen, wie sich die Unternehmer der Lebensmittelbranche in Dingle gegenseitig unterstützen.

Schon ein paar Schritte weiter, in Murphy’s Eismanufaktur, begegnet mir der Dingle Gin in Form eines Sorbets.

Meine Sommer-Eissorte? Sea Salt!

Etwas klinisch mutet die Eismanufaktur von Herrn Murphy ja schon an, was den Geschmack aber nicht trübt. Die Tafel preist einige wenige Kreationen an, darunter „Irish Coffee with Whiskey“, „Blissful Butterscotch“ und „Sticky Toffee Pudding“. Mein Blick fällt auf das Eis mit dem schlichten Namen „Salann – Dingle Sea Salt“, ich bin neugierig.

Herr Murphy kommt hinter seinem Tresen hervor und erzählt, wie das Eis entstand: er habe von der örtlichen Tourismusbehörde den Auftrag bekommen, ein Sommereis zu entwickeln, passend zur Region.
„Etwas überrascht waren die Leute dort dann schon, als ich ihnen sagte, dass dies ganz klar „Sea Salt“ sein würde, sie hatten eher mit etwas Exotischem wie Mango gerechnet. Aber das wäre nicht Dingle gewesen“, erzählt er grinsend.

„Für mich war es der salzige Geschmack, wenn man nach einem Bad im Atlantik aus dem Meer steigt und sich mit der Zunge über die Lippen leckt, genau diesen Hauch von Salzigkeit wollte ich in meinem Sommereis einfangen“, fügt er an und reicht mir strahlend einen Becher des Sea-Salt-Eises.

Natürlich fällt es mir nach dieser Erklärung leicht, den Geschmack des Meeres auf der Zunge zu assoziieren, das Eis schmeckt fein, die Salznote ist wirklich kaum merklich, sehr fruchtig, sehr dezent, so wie ich es von dem feinen Murray River Fingersalz kenne. Näher an regionalen Gegebenheiten kann man ein Eis nicht ausrichten.

Zum Abschluss muss ich – wie kann es anders sein – unbedingt noch das Sorbet mit Dingle Gin probieren, ein Hochgenuss und ein schöner kulinarischer Abschluss einer wahrlich bemerkenswerten Tour durch das süd-westliche Irland.

Links

Longueville House
Mallow, County Cork, Ireland P51 KC8K
www.longuevillehouse.ie

Wild Atlantic Way
http://www.wildatlanticway.com/

The Dingle Whiskey Destillery
Dingle, County Kerry
http://www.dingledistillery.ie/

The Skipper Restaurant
Main Street, Ventry, County Kerry, Irland

Murphy’s Icecream
The Pier, Dingle, County Kerry, Irland
http://www.murphysicecream.ie/

Offenlegung: die Reise durch Irland erfolgte auf Einladung von Bord Bia. Auf die Berichterstattung wurde kein Einfluss genommen.