Grüner Spargel mit Miso-Dressing

Grüner Spargel vom Grill ist im Frühsommer ein beliebter Klassiker auf meiner Tageskarte. Gewürzt mit einem aromatischen Miso-Dressing kommt der Klassiker ungewohnt schwungvoll in neuem Gewand daher.

Eigentlich habe ich mich bislang für einen sehr geduldigen Menschen gehalten. Aber in Sachen “Leben ohne Küche” und “warten auf die neue Küche” wird meine Geduld auf eine harte Probe gestellt. Es ist wahrlich nicht einfach, zu verzichten und gerade im Frühsommer, wenn sich die Regale der Märkte langsam mit frischen Gemüsesorten, Obst und Kräutern füllen, mehr oder weniger abstinent zu leben. Auch wenn ich mit drei Kochplatten ausgestattet bin, so fehlt doch die vertraute Umgebung und die Gewissheit, alle Küchengeräte jederzeit verfügbar zu haben.

Die Mehrzahl der Geräte schlummert noch in den Kisten, die sorgsam gestapelt im Keller stehen. Meine Eismaschine fragt sich sicher auch schon, ob ich sie gegen ein anderes Gerät eingetauscht habe und absichtlich vernachlässige. Aber es scheint ein sich ein kleines Licht am Ende des Tunnels abzuzeichnen: Am grundsätzlichen Fertigstellungstermin des Küchenherstellers wird sich wohl nichts ändern (Daumen drücken!), und dieser ist am morgigen Freitag. Mit etwas Glück also ist damit zu rechnen, dass die Küche in den nächsten beiden Wochen geliefert und eingebaut werden kann.

Ab diesem Zeitpunkt könnt Ihr auch wieder kulinarische Beiträge und Rezepte in normaler Frequenz erwarten. Aktuell bin ich ziemlich leer gebloggt und habe nur noch Rezepte im Archiv, die ich, nun ja, unter normalen Umständen nicht unbedingt für eine Veröffentlichung geeignet erachten würde. Aber besondere Zeiten rechtfertigen eben auch andere Maßnahmen.

Das Rezept heute ist wirklich fein – nur das Foto ist ziemlich grottig, bitte entschuldigt. Ich habe mein Foto-Equipment nach dem Umzug auch noch nicht vollständig an Ort und Stelle: Mir fehlen beispielsweise meine Foto-Teller, einige Aufheller oder Tageslichtlampen. Dennoch möchte ich Euch diese Inspiration nicht vorenthalten, denn grüner Spargel, auf dem Grill gebraten (Yeah! Ich kann wieder grillen, denn die Terrasse ist einsatzbereit…) und mit einem Miso-Dressing gewürzt schmeckt wahrlich famos.

Das Dressing besteht dabei aus Miso-Paste, Sojasauce, etwas Sesamöl, Reis-Essig und Agaven-Dicksaft. Das Aroma ist säuerlich-würzig mit vielen Umami-Komponenten und passt hervorragend zum Spargel. Dazu gab’s bei mir glasierte Schweinelende vom Grill, die ich zunächst rundherum scharf angebraten und dann gegen Ende der Garzeit mit einer Mischung aus Agaven-Dicksaft, BBQ-Sauce und Balsamico-Essig eingepinselt habe. Etwas Mais vom Grill komplettierte das Arrangement.

Also: Gebt grünem Spargel und Miso-Dressing eine Chance, ob mit oder ohne Fleisch, es wird sich lohnen!

Rezept

Dauer: Ca. 30 Minuten

Zutaten für den Spargel mit Miso-Dressing (Für 4 Personen):

  • 1 kg grüner Spargel
  • 2 TL Miso-Paste (weiß)
  • 1 TL Sojasauce
  • 2 EL Sesamöl
  • 2 EL Reis-Essig
  • 1 EL Agaven-Dicksaft
  • Salz, Pfeffer

Zubereitung:

1 Den grünen Spargel putzen und die Enden an der Sollbruchstelle abbrechen.

2 Für das Miso-Dressing alle Zutaten verrühren und das Dressing mit Salz und Pfeffer abschmecken.

3 Den grünen Spargel etwa 10 Minuten bei 150°C auf dem vorgeheizten Grill garen. Mit dem Dressing anrichten.

Tipp: Dazu passen karamellisierte Zwiebeln, ein gutes Stück Brot oder eine glasierte Schweinelende vom Grill (Wie im Bild oben zu sehen).

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  • Da haut der “ein ziemlich grottiges Foto” raus, das mich vor Neid erblassen lässt O_O
    Sieht doch wirklich sehr gut aus?!

    Viele Grüße,
    FabianAntwortenAbbrechen

    • Uwe

      Huhu Fabian, hm, nja, ich glaube, ich bin da schon echt anspruchsvoll was meine Arbeit anbelangt….Aber danke für’s Feedback! Grüße!AntwortenAbbrechen

  • Eine leckere Idee, ich verwende Miso ja sehr gerne auch für Suppen und ähnliches. Aber der wirkliche Hit ist Knoblauch in Miso eingelegt, das dauert zwar 2 Wochen aber das Ergebnis ist extrem lecker.
    Liebe Grüße DaniiAntwortenAbbrechen

Impressionen vom "Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine"

Je näher wir Irland kommen, desto düsterer wird das Wetter. Während wir uns am Münchner Flughafen noch mit Sonne und angenehmen 20 Grad verabschiedeten, begrüßt uns die grüne Insel mit leichtem Regen, vielen Wolken und einer steten Brise, die mich meine Jacke zuknöpfen lässt.

Gemeinsam mit einigen anderen Food-Bloggern befinde ich mich auf dem Weg zum “Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine“, das seit drei Jahren bei Cork im Süden Irlands abgehalten wird. Mit Darina Allen steckt hinter dem Festival ein echtes Schwergewicht der irischen und internationalen Food-Szene: 1983 baute sie mit ihrem nicht minder bekannten Bruder Rory O’Connell die “Ballymaloe Cookery School” auf, die es seither zu weltweit hohem Ansehen und großer Bekanntheit gebracht hat. In einer Vielzahl von Kursen können Autodidakten wie Profis ihr Wissen vertiefen und das Handwerk des Kochens erlernen. Darina Allen ist heute die bekannteste Köchin Irlands, hat mehrere TV-Shows produziert und viele hochbeachtete Kochbücher geschrieben.

Bis hierhin war es jedoch ein weiter Weg. Die junge Darina trat Ender der 60er Jahre eine Lehre im Restaurant der Ballymaloe Farm bei Myrtle Allen an und heiratete kurz darauf ihren Sohn. Myrtle Allen gilt dabei als Begründerin der Familienphilosophie, die sich heute noch wie ein roter Faden durch alle Unternehmenszweige der rührigen Familie zieht. Damals wie heute bestimmten einfache Gerichte aus typischen, regionalen Zutaten die Speisekarte. Frische Lebensmittel, Nachhaltigkeit, Produktion auf der eigenen Farm und kurze Bezugswege spielen nach wie vor die zentrale Rolle.

Zum Familienimperium zählen neben der Farm und dem Restaurant ein Hotel, „Farmer’s markets” und die schon erwähnte, bekannte Kochschule. Und gemäß der Familien-Tradition steht die nächste Allen-Generation bereits in den Startlöchern: Darinas Schwiegertochter und TV-Köchin Rachel Allen folgt auf dem Fuße und veröffentlichte bereits selbst über 10 Kochbücher.

Wir folgen den kurvenreichen Straßen, die oftmals nicht genug Raum bieten, um zwei Autos problemlos aneinander vorbeifahren zu lassen. Die Landstraßen werden von Wällen aus Gestrüpp, Steinen und Erde gesäumt, die auch die vielen sattgrünen Felder voneinander trennen, und den Rindern Schutz vor dem stetig vom nahen Meer her wehenden Wind bieten. Im Vergleich zu deutschen Feldern steht der Weizen schon recht hoch und das satte Maigrün erfüllt willig alle Irland-Klischees. Zwischendrin leuchtet Ginster in hellem Gelb und sorgt für eine angenehme, fast schon kitschig anmutende Szenerie. Die Landschaften sind schon kilometerlang schön, eine Fotokulisse folgt der nächsten. Ich war noch nie in Irland und bin sichtlich gefangen von der Schönheit und Ursprünglichkeit der Natur im Süden der Insel.

Inzwischen hat auch die Sonne ihren Weg durch die Wolken gefunden und begrüßt uns mit wärmenden Abendstrahlen auf der Ballymaloe Farm, wo alsbald das dritte „Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine“ eröffnet wird. In den kommenden drei Tagen werden etwa 8.000 Besucher erwartet, um sich mit Koryphäen und Produzenten aus der internationalen wie lokalen Food- und Wein-Szene zu treffen, auszutauschen und der gemeinsamen Leidenschaft zu frönen. Denn darum geht es: Die gemeinsame Liebe zu gutem Essen und nachhaltig produzierten Lebensmitteln soll zelebriert werden.

Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland, Darina Allen

Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland

Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland

Dass das Festival schon nach drei Jahren auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken kann, mögen wohl auch die so rührigen und gut vernetzten Allens nicht erwartet haben. Dennoch passt diese gut zu der Renaissance, die Irlands Food-Sektor insgesamt seit der Finanzkrise 2008, der folgenden hohen Arbeitslosigkeit sowie dem wirtschaftlichen Abschwung erlebte. In der Krise besannen sich viele junge Iren darauf, umzuschulen und im Bereich „Food“ Fuß zu fassen. Die irische Regierung erkannte diese Bewegung und unterstützte die junge Handwerksbewegung durch Steuervergünstigungen speziell für kleinere Betriebe. Diese wiederum dankten es mit großer Leidenschaft, exzellenten Produkten und dem unnachgiebigen Streben nach hoher Qualität, ganz im Sinne der Philosophie der Allen-Familie. „The future of our country lies in the soil under our feet.“ sollte an diesem Wochenende der irische Landwirtschaftsminister Simon Coveney bei der Eröffnung des Gala-Dinners im Ballymaloe House sagen, und traf damit wohl den Nagel auf den Kopf: Heute wollen die Kinder lokaler Produzenten nichts lieber, als den elterlichen Betrieb zu übernehmen.

So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass bei der dritten Auflage des Festivals 70 lokale Produzenten ihr Handwerk zeigten: Von Farmern, Craft-Beer-Brauern, Craft-Cider-Herstellern, Streetfood-Gastronomen, Gin-Destillateuren, Samen-Züchtern und Käse-Produzenten über Fischer, Bäcker und Metzger waren viele Professionen vertreten. Zusätzlich konnte sich das Vortragsprogramm sehen lassen: Während im letzten Jahr René Redzepi und Yotam Ottolenghi zu den Rednern gehörten, traten 2015 mit April Bloomfield, Alice Waters, David Lebovitz und Jancis Robinson weitere Schwergewichte der Branche auf, um die Irische Food-Szene mit spannenden Vorträgen zu bereichern.

Gleich nach der Eröffnung des Festivals durch Darina Allen startete das „Big Shed Dinner“. Die Speisen und Getränke von vielen lokalen Herstellern konnten in der „Big Shed“, der großen Scheune der Ballymaloe Farm, probiert und gekostet werden. Diese war für diesen Zweck ausgeräumt und ansprechend dekoriert zu einem atmosphärischen Bierzelt mit einer guten Portion „Vintage-Charme“ umfunktioniert worden.

Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland
Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland
Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland
Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland

Wir probierten uns also in den folgenden Stunden durch die unglaubliche Vielfalt der dargebotenen Küche. Da war beispielsweise das unglaublich leckere „Ballycotton Fish Stew with Butter Beans & Marjoram“, das aus frisch gefangenem Fisch und einer aromatischen Curry-Sauce bestand. Ich bin bislang noch nicht auf die Idee gekommen, Fisch mit Bohnen zu kombinieren, war aber sofort von dem Geschmack gefangen.

Ebenso lecker entpuppte sich das Korma Curry, das klassisch zubereitet mit Reis und viel Koriander den Weg auf unseren Tisch und dort viel Anklang fand. Besonders angetan hatte es uns aber ein „Pork Stew“, das auf vietnamesische Art sehr fruchtig-frisch mit viel Limette, Fadennudeln und einem unglaublich weichem Schweinefleisch serviert wurde.

Die Vertreter der Gubbeen-Farm kredenzten frisch gesmokte Ribs, dazu Pulled Pork, irischer Käse, eingelegte Gurken, Rucola-Salat und selbst gemachtes “Soda-Bread“. Ein leckerer Salat aus Buchweizen, Granatapfelkernen und Staudensellerie sowie vielen frischen Kräutern stand den ganzen Abend in der Mitte des Tisches.

Natürlich gab es auch genug Getränke, um die Köstlichkeiten des Abends adäquat hinunterzuspülen. Auch in Irland ist die Craft-Beer-Szene angekommen und sehr präsent: Das Irish Pale Ale sowie mein persönlicher Favorit, das Red Ale aus dem Hause „Eight degrees brewing“, nehmen es problemlos mit den Kreationen lokaler Brauereien in Franken auf. Richtig authentisch wurde es, als echter Craft Cider ins Spiel kam: 100% Saft, unverdünnt und nicht durch billige Süßungsmittel verfälscht, dafür langsam und professionell fermentiert und halbtrocken und trocken angeboten – ein wahrlicher Hochgenuss.

Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland
Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland
Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland
Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland
Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland
Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland
Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland

Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland
Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland
Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine 2015 in Irland

Das Wochenende auf der Ballymaloe Farm hat meinen Blick auf die irische Küche und Food-Szene verändert und nachhaltig geprägt. Ich finde es beeindruckend zu sehen, was dort in den letzten Jahren entstanden ist, mit welch ungebremsten Enthusiasmus viele unglaublich talentierte Handwerker eine kulinarische Identität erschaffen, die auf der Rückbesinnung auf die Fruchtbarkeit der irischen Erde beruht. Ich freue mich darauf, in den kommenden Jahren noch ganz viel davon auf meinem eigenen Teller zu kosten!

Im zweiten Teil der Impressionen vom “Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine“ entführe ich Euch zum Gala Dinner und dem Menü, das ich im Ballymaloe House genießen durfte.

Offenlegung: Meine Teilnahme am “Kerrygold Ballymaloe Literary Festival of Food and Wine“ erfolgte auf Einladung von Kerrygold Deutschland – vielen Dank für die Organisation und Möglichkeit zur Teilnahme an diesem famosen Food-Festival!

  • Hallo Uwe,
    ein toller erster Bericht über das grandiose Litfest! Bei deinen Bildern fängst du genau die Stimmung ein die den ersten Abend so besonders gemacht hat. Und wenn ich an das ganze leckere Essen denke, komme ich aus dem schwärmen nicht mehr raus. Zu so einem leckeren Curry und dem dazu passenden medium dry Cider würde ich jetzt nicht nein sagen.
    Ganz liebe Grüße
    TanjaAntwortenAbbrechen

  • Hui, du bist aber schnell! Und ja war wirklich ein prägendes Wochenende. Tolle Fotos, wie immer bei dir. Sogar meine neuen amerikansichen Freunde hast du abgelichtet.AntwortenAbbrechen

    • Uwe

      Hehe, jaja, die Amis…. war wirklich ein sehr, sehr schönes Wochenende!AntwortenAbbrechen

  • Lieber Uwe!
    Toller Bericht, der so große Lust macht, auch mal endlich nach Irland zu fahren!
    Bei dem Festival wäre ich wirklich gerne dabei gewesen.
    Durch dich kann ich es wenigstens virtuell :-)
    Die Gerichte klingen sehr köstlich und ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Teil!

    Liebe Grüße
    NicoleAntwortenAbbrechen

  • Lieber Uwe!

    Mein Partner und ich haben auch gerade den Versuch eines Foodblogs gestartet und würden uns freuen, wenn du den Link dazu auf deiner Seite veröffentlichen würdest! Wir stehen gerade am Anfang und freuen uns über jeden Leser!!!

    Liebe Grüsse

    Daniela und UdoAntwortenAbbrechen

Kalbsbäckchen aus dem Zwiebelsud

Die letzten Kalbsbäckchen der Saison simmerten leise blubbernd einige Stunden im sauren Zwiebelsud, bevor sie mit frisch geröstetem Schwarzbrot serviert wurden.

Die Anzahl der Kisten-freien Zimmer steigt, das Chaos lichtet sich. Nach eineinhalb Wochen Stress, Durcheinander und dauerhaftem Pendeln zwischen Möbelhaus, Baumarkt, neuer Bleibe und alter Wohnung kehrt ein wenig Ruhe ein. Diverse Dinge finden sich zunehmend nicht mehr in Kisten, sondern in Regalen, Schränken und Schubladen. Langsam aber sicher manifestiert sich eine gewisse Ordnung. Es wird.

Nur in der Küche klafft noch ein großes Loch, mein Kühlschrank steht etwas verloren im Eck des ansonsten ziemlich leeren Raumes. Daneben steht eine Einbauspülmaschine, behelfsmäßig auf einem kleinen Podest befestigt und notdürftig an die Leitungen angeschlossen. Auf meinem Gartentisch tummeln sich eine Induktionsplatte, eine uralte Kochplatte und der Thermomix, der mir in den letzten beiden Wochen schon gute Dienste geleistet hat. Am Sonntag gab es Spargel, mit dem Thermomix gedämpft, dazu braune Butter, junge Kartoffeln und Radieschensalat, gestern eine große Sauerei: Ich hatte den Kindern Milchreis versprochen und den Thermomix bestückt. Auf 100°C eingestellt…und vergessen. Das Ergebnis: Überkochende Milch, die sich über die ganze spartanisch eingerichtete Küche verteilte, den Boden einnahm und sich langsam in das Zimmer vorarbeitete. Provisorische Küchen lassen sich toll reinigen – besonders von Milch, die mit Reisstärke und Zucker versetzt ist. Grmz.

Drei Wochen etwa muss ich noch überstehen, und dann sollte auch das noch fehlende Puzzleteil gefunden und gelegt worden sein. Die neue Küche ist die erste Küche, die ich vollständig nach meinen Vorstellungen und „Bedürfnissen“ (Eher: Wünschen) gemeinsam mit einem Küchenplaner geplant habe. Endlich werde ich stolzer Besitzer einer Kochinsel sein, die mir nicht nur flexibles Arbeiten sondern auch mehr Möglichkeiten der Dokumentation für den Blog geben wird. In Zukunft werde ich Euch also neben den gewohnten Bildern der angerichteten Teller einen neuen Fotostil präsentieren, der mehr Arbeitsschritte und Teile aus dem Entstehungsprozess der Gerichte zeigen wird. Die Kamera wird auf einer Seite der Insel stehen und in die Küche hineinschauen.

Das ermöglicht mir noch eine weitere, neue Option: Filmaufnahmen. Ab Juli plane ich, Euch regelmäßig kleine Videos zu zeigen, in denen zu sehen sein wird, wie ich die Teller anrichte. Danach haben mich viele von Euch in den letzten Monaten immer wieder gefragt, es scheint also ein großes Interesse daran zu bestehen, wie ich anrichte und wie die Teller entstehen. Dafür habe ich mir ein spezielles Format ausgedacht, welches hoffentlich im Laufe des Julis zum ersten Mal gezeigt werden kann.

Neben der Kochinsel habe ich noch zwei Hochschränke für meine beiden Backöfen und nun ganz neu eine Wärmeschublade, in der nicht nur Geschirr vorgewärmt sondern auch Speisen im NT-Verfahren zubereitet werden können. Zusätzliche Arbeitsflächen und Schränke mit viel Stauraum komplettieren die Küche schließlich. Sobald die Küche steht, gibt’s natürlich eine kleine exklusive Führung…

Kalbsbäckchen einmal anders

Das Rezept auf der Tageskarte bringt etwas Abwechslung in meine Schmorrezepte: Die letzten Kalbsbäckchen der Saison köcheln nicht in Rotwein, sondern schwimmen für die üblichen 2,5 bis 3 Stunden in einem sauren Gemisch aus Weißwein, Essig und Rinderbrühe. In dem Sud finden sich zudem eine ganze Menge Zwiebeln, die über die Schmorzeit weich und sehr süß werden. Zudem geben sie ordentlich Geschmack an den Sud ab und sorgen für eine gewisse Bindung der Sauce.

Ihr kennt diese Zubereitungsart vielleicht von einem regionalen Klassiker, den „Sauren Zipfeln“, den ich vor einigen Jahren auch schon einmal auf dem Blog „verwurstet“ habe. Was mit Würsten geht, geht auch mit Bäckchen. Diese sind nach 2,5 Stunden angenehm weich, lassen sich wie gewohnt mit der Gabel zertrennen und haben das Essig-Aroma wunderbar aufgenommen.

Dazu esse ich am liebsten einen „ordentlichen Kanten“ Schwarzbrot, frisch vom Bäcker (Einem guten Bäcker, ne?) mit krachender Kruste und samtig-weicher Krume. Um das Fleisch mit dem Sud ordnungsgemäß herunterzuspülen, empfiehlt sich der Genuss eines fränkischen Bieres: Ich mag dazu gerne das Helle von Schanzenbräu oder ein Zwickelbier aus der Aktien-Brauerei.

Guten Appetit!

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Spargel aus dem Bratschlauch mit Polenta und Schnittlauch-Vinaigrette

Spargel! Nach einigen Mahlzeiten mit klassischer Kombination aus Spargel, Kartoffeln, Schinken und brauner Butter wage ich mich nun an die ausgefalleneren Kombinationen.

Seit ich bei Christian Mittermeier in Rothenburg ob der Tauber einen Sous-Vide-Kurs gemacht und dort Spargel mit Schnittlauch-Vinaigrette probiert habe, gibt’s diese Kombination immer wieder. Dabei wechsle ich die Zubereitungsmethode gerne zwischen dämpfen, sous-viden und bratschlauchen, der Schnittlauch kommt in unterschiedlichen Ausprägungen zum Einsatz.

Heute auf der Tageskarte: Spargel, „gebratschlaucht“, dazu Polenta und eine würzig-mediterrane, frühlingshafte Vinaigrette aus Schnittlauch, Bärlauch, Oliven, Kapern und getrockneten Tomaten. Ein Hauch Zitronensaft, und fertig ist das Gericht.

Beim Anrichten gingen die Gäule mit mir ein wenig durch. Die Polenta benutze ich als „Erde“, aus der der Spargel samt Schnittlauch sprießt. Dazwischen kommt die Vinaigrette, darüber noch etwas gutes Olivenöl.

Lasst es Euch schmecken!

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  • Ich hab das heute nachgekocht. Echt lecker, hab nur statt dem weißen Spargel grünen genommen und Spedk drum gewickelt und statt Polenta Brot genommen. Hat allem super geschmeckt, Danke für die Inspiration ;-)AntwortenAbbrechen

  • Oh das sieht ja wirklich toll aus. Nächste Woche werde ich es mal nachkochen. Danke für das Rezept ich habe es auch schon ausgedruckt.AntwortenAbbrechen

Bagel-Cheeseburger

Leute! Grills raus, es ist ja schon lange Saison. Und wer grillt braucht keine Küche. Küchen sind überbewertet. Echt…

Geschafft! Ich bin über das Wochenende in eine neue Bleibe gezogen, habe Kisten geschleppt, Möbel montiert und mich tierisch darüber gefreut, wie viele verloren geglaubte Dinge unter den demontierten Schränken zu finden waren. Grundsätzlich hat alles auch wirklich gut geklappt, mein Hausstand hat die Strapazen ohne größere Schäden überstanden.

Die Kinderzimmer sind bereits fertig eingerichtet und wir arbeiten uns von Zimmer zu Zimmer vor, um das Chaos und das Leben aus Kisten ein wenig zu begrenzen. Und da wären wir auch schon bei meinem Problem, nun ist es real: Ich muss die nächsten fünf Wochen auf eine Küche verzichten. Grumpf.

Immerhin habe ich einen Kühlschrank und eine Spülmaschine, was wirklich eklatant wichtig ist, solange im Erdgeschoss kein fließend Wasser zur Verfügung steht. Überhaupt wird die Möglichkeit, fließend Wasser samt Spülbecken in der Küche zu haben, unterschätzt: Mir ist in den letzten beiden Tagen aufgefallen, wie viele Arbeitsschritte ein Spülbecken benötigen. Das fängt beim schnellen Händewaschen an und hört beim Wasser holen für den Wasserkocher auf: Letzteres gehört nun zu meinem Fitnessprogramm, denn ich bekomme den Wasserkocher nur im Bad im Obergeschoss unter einen Wasserhahn. Trepp-auf, Trepp-ab.

Zu meiner weiteren Ausstattung zählt nun eine einzelne Induktions-Kochplatte und ein ur-ur-ur-ur-altes Doppelkochfeld, das wahrscheinlich schon im Krieg benutzt wurde. In welchem, weiss ich allerdings nicht. Ergänzt wird der Notbetrieb durch den Thermomix, der in den ersten beiden Tagen für Grießbrei und Suppe zum Einsatz kam. Ich werde Euch Fotos zeigen, sobald ich meine Kamera ausgepackt habe…

Bagel-Burger gefällig?

Das Rezept für heute ist zugegeben aus dem Archiv, genauer gesagt von letzter Woche. Ich hatte noch Bagels eingefroren, die vor dem Umzug aufgegessen werden wollten. Daraus wurden schnelle ratz-fatz Bagel-Cheeseburger ohne Hexerei: Buns, Patty, Cheddar, Salat, Ketchup und schnelle Aioli. Zubereitungszeit: 15 Minuten. Glaubt Ihr nicht? Seht selbst:

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  • Schöner, simpler Burger, Uwe.
    Bringst mich jetzt ein bisschen in Bedrängnis. Wollte doch als nächstes die Buns vom Hansen testen aber Bagel klingt natürlich auch sehr gut. Kommt mit auf die Liste.AntwortenAbbrechen

  • Also, der sieht so lecker aus, dass ich am Liebsten gleich reinbeissen möchte. Ich muss mich auch mal an Burgern versuchen.
    Ich mag deinen Blog total gerne :-)
    LG
    DesiAntwortenAbbrechen

  • Hallo Uwe,

    erstmal finde ich deinen Blog wiirklich toll und beim Bagleburger muss ich jetzt auch mal einen Kommentar darlassen. Da sieht man mal wieder das lecker nicht gleich kompliziert sei muss.
    Die Idee Bagle statt typischer Buns finde ich auch super. Das ist mal was anderes.
    Vielen Dank für die InspirationAntwortenAbbrechen

  • Chrisi

    Hi Uwe ! Sieht ja richtig lecker aus !
    Die Patties nur salzen und pfeffern, oder wie bereitest du sie vor ?

    Grüße aus Ö !AntwortenAbbrechen

    • Uwe

      Ach, da gehen die Lehrmeinungen ja weit auseinander. Viele sagen, das Patty müsse gar nicht gewürzt werden, andere experimentieren da gern. Ich auch, denn ich finde, dass das Patty dann aromatischer und saftiger wird. Ich gebe gerne Zwiebeln, petersilie, Worcestersauce, Salz, pfeffer und ja, manchmal auch ein Ei dazu.AntwortenAbbrechen

  • Das sieht ja unglaublich lecker aus. Mir gefällt es generell, bei Burgern mit dem Brot zu variieren. Bagels kamen mir noch gar nicht in den Sinn, aber nach den Bildern muss ich das wohl mal probieren ;-)AntwortenAbbrechen

    • Uwe

      Ich arbeite noch viel zu selten mit unterschiedlichem Brot, seit ich den Brioche Burger Buns über den Weg gelaufen bin….AntwortenAbbrechen