Tomatensuppe mit Gin, Lammkarree sous-vide, Parmesan-Coustard

Wenn ich im Hochsommer nicht weiß, was ich mit den vielen Tomaten machen soll, so koche ich davon entweder literweise Sugo, stelle getrocknete Tomaten her oder koche eine Tomatensuppe. Die schmeckt eindeutig mit frischen Tomaten am besten.

Die Tomatensuppe ist eine Koproduktion mit Chef Hansen, die im Rahmen unseres Kochtreffens im Mai entstand. Alex zauberte den Parmesan-Coustard, ich den Rest. Entstanden ist eine leckere Vorspeise mit gut harmonierenden Komponenten, die sich zudem für ein Menü exzellent vorbereiten lässt. Der Parmesan-Custard kann am Vorabend hergestellt werden, genauso die Suppe selbst: Diese schmeckt aufgewärmt wie Gulasch, Lasagne oder Kalbsbäckchen nochmals einen Tick besser. Auch mit dem Lammkarree habt Ihr wenig Arbeit, ein Sous-vide-Becken vorausgesetzt. Schwimmt es dort einmal bei 58°C, ist es auch egal, wenn sich die Gäste ein paar Minuten verspäten. Wärmer als 58°C wird das Lamm einfach nicht. Eine ähnliche Vorspeise habe ich vor einigen Wochen zubereitet – Lammkarree sous-vide mit Chimichurri - Für alle, die es ein wenig schärfer mögen.

Für die Suppe selbst habe ich auf ein ganz einfaches Rezept zurückgegriffen – im Wesentlichen werden Tomaten mit Schalotten, Knoblauch und Geflügelbrühe eingekocht und mit braunem Zucker, Salz und Pfeffer abgeschmeckt. Wenn die Konsistenz nach dem Einkochen und pürieren zu dickflüssig sein sollte, könnt Ihr jederzeit mit etwas Wasser oder ein wenig mehr Brühe justieren.

Wenn Ihr nun mit der Tomatensuppe ein Menü starten möchtet, so kann ich Euch folgende Gänge als Hauptgerichte oder Dessert empfehlen:

Guten Appetit!

Rezept

Benötigtes Equipment: Sous-vide-Becken, iSi Gourmet Whip

Dauer: 4 Stunden Kühlzeit, 60 min Zubereitungszeit

Zutaten für die Tomatensuppe mit Gin, Lammkarree sous-vide und Parmesan-Coustard (Für 4 Personen):

Für das Lammkarree:

  • 1 Lammkarree
  • 1 Zweig Rosmarin
  • 1 Zweig Thymian
  • 1 Knoblauchzehe
  • Etwas Butter

Für die Tomatensuppe mit Gin:

  • 500 g passierte Tomaten (Oder frische Tomaten)
  • 3 Schalotten
  • 2 Knoblauchzehen
  • 100 ml Geflügelfond
  • 2 TL brauner Zucker
  • 1 Lorbeerblatt
  • 3 Nelken
  • Etwas frischer Thymian
  • Etwas frischer Rosmarin
  • 3-4 EL Gin
  • Salz, Pfeffer

Für den Parmesan-Coustard:

  • 75 g Parmesan
  • 50 ml Milch
  • 2 Eier

Für das Topping:

  • 1 TL Pinienkerne
  • 12 Basilikumblätter
  • 1 kleine Handvoll Gartenkresse

Zubereitung:

1 Für den Parmesan-Coustard den Parmesan fein reiben. Die Eier leicht schlagen. Parmesan und Milch mischen und langsam erhitzen bis der Parmesan geschmolzen ist. Die Hitze reduzieren und die Eier langsam einrühren. Unter leichter Hitze stetig rühren, bis die Masse eindickt (Achtung: Darf nicht mehr als 78°C erreichen!). Abkühlen lassen und eine Stunde in den Kühlschrank stellen. Danach kurz mit einem Stabmixer pürieren und in einen iSi Gourmet Whip einfüllen, eine Patrone einschießen und gut schütteln. Etwa vier Stunden im Kühlschrank kühlen.

2 Für das Lammkarree das Fleisch mit etwas Butter, gehacktem Knoblauch, Thymian und Rosmarin vakuumieren und bei 58°C etwa 35 Minuten im Wasserbad ziehen lassen.

3 Für die Tomatensuppe die Schalotten und den Knoblauch schälen und fein hacken. In etwas Butter glasig dünsten, mit Geflügelfond ablöschen und aufkochen. Tomaten zugeben, aufkochen, Lorbeerblatt, Nelken, Thymian und Rosmarin zugeben und etwa 30 Minuten einkochen lassen. Mit einem Stabmixer pürieren (Nelken und Lorbeerblatt sowie die Kräuter vorher entfernen) und mit Gin, Salz, braunem Zucker und Pfeffer abschmecken.

4 Für das Topping die Pinienkerne trocken goldbraun rösten und mit dem Basilikum und der Kresse vermischen.

5 Das Lamm aus dem Bad nehmen und kurz in einer heißen Pfanne von allen Seiten anbraten. Aufschneiden, salzen. Suppe auf Teller verteilen, den Parmesan-Custard aufspritzen und alles leicht mit dem Stiel einer Gabel verrühren, bis Kreise entstehen. Topping zugeben und ein Stück Lammkarree pro Teller anrichten.

Quelle: Parmesan-Custard: Bentley Cookbook of Temporary Cuisine

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Rinderfilet im Filoteig mit Paprika-Couscous-Salat

In den letzten Tagen habe ich irgendwo den Satz gelesen, dass man als Koch mit einer gewissen „So what“-Mentalität an den Herd gehen muss. Es kann nicht immer alles gelingen. Die Angst vor dem Scheitern muss beiseite gewischt werden. Oder durch Rezepte wie dieses minimiert sein.

Was gibt es Schlimmeres? Die Gäste kommen und das Fleisch ist nicht mehr medium. Drüber. Very well done. Abgesehen davon, dass es total ok ist, sein Rinderfilet well done zu essen, wenn man es einfach lieber mag, bringt es einen gewissen Druck auf die Schultern des Gastgebers. Ich empfehle daher, sich im Rahmen eines Menüs nur für Fleischgerichte a la minute zu entscheiden, wenn man das Gericht aus dem berühmten FF beherrscht oder die notwendige Zeit dafür hat, wie es z. B. meist beim Grillen der Fall ist.

Ein paar Tipps:

  • Im Rahmen eines Menüs sollte immer nur ein Gang dabei sein, bei dem Komponenten auf den Punkt gegart sein müssen. Das reduziert Stress.
  • Wenn ich ein Menü mit mehreren Gängen koche, verwende ich immer Fleischthermometer. Am besten solche, die laut brüllen, wenn die gewünschte Kerntemperatur erreicht ist. Es ist gut, sich in stressigen Phasen das Denken ein wenig abnehmen zu lassen.
  • Ich versuche, für kritische Fleischgerichte als Garmethode sous-vide einzusetzen. Da kann nichts passieren, auch wenn das Fleisch 58°C erreicht hat, die Gäste aber noch auf Parkplatzsuche sind.
  • Üben, üben, üben. Irgendwann entwickelt man ein Gefühl für die richtige Gardauer.

Dieses Rezept eignet sich für Anfänger und Menü-Situationen gleichermaßen. Es ist ein wenig Timing erforderlich, was sich aber in den Grill bekommen lässt. Die Rinderfilets werden in der Pfanne von beiden Seiten 1-2 Minuten angebraten, dann in Filoteig verpackt und bei 200°C im Ofen innerhalb von 10 Minuten fertig gegart. Ich empfehle, mit dem Anbraten erst zu beginnen, wenn die Gäste da sind und sich mit der Vorspeise vergnügen. Wenn die Rinderfilet-Stücke etwa 170g haben, ist die Gardauer von 10 Minuten für den Gargrad medium ziemlich sicher.

Dazu gibt’s einen leckeren Paparika-Couscous-Salat, der dem Gericht eine kleine orientalische Note verleiht und für die notwendige Frische sucht. Achtung: Den Salat nicht zu süß anmachen, da sich in den Filoteigpaketen noch Schalotten-Chutney befindet, was eine gute eigene Süße mitbringt. Eine andere Variante des Rinderfilets im Filoteig mit Süßkartoffelpüree und Feldsalat hatte ich bereits vor einigen Jahren zusammen mit meiner Lieblingscousine Juliane von Schöner Tag noch! gekocht.

Rinderfilet im Filoteig mit Paprika-Couscous-Salat

Rezept

Dauer: Ca. 45 Minuten

Zutaten für das Rinderfilet im Filoteig mit Paprika-Couscous-Salat (Für 4 Personen):

  • 4 Rinderfilet-Stücke à 170 g
  • 4 Filoteig-Platten
  • 1 Ei
  • 5 Schalotten
  • 4 rote Paprika
  • 200 g Couscous
  • 1 Bund Petersilie
  • 1 Schuss Rotwein
  • 1 EL Aceto Balsamico di Modena
  • 1 TL Zucker
  • 30 g Butter, geschmolzen
  • Salz, Pfeffer

Für die Vinaigrette:

  • 1 EL grobkörniger Senf
  • 2-3 EL Apfelessig
  • 1 EL Honig
  • 2 EL Sesamöl
  • 2 TL Ras el Hanout
  • Salz, Pfeffer

Zubereitung:

1 Für das Schalotten-Chutney die Schalotten schälen und in Spalten schneiden. In etwas Butter bei moderater Hitze glasig dünsten. Mit Zucker bestreuen und kurz karamellisieren lassen, dann mit Rotwein und Balsamico ablöschen, einkochen lassen. Mit Salz abschmecken.

2 Für den Paprika-Couscous-Salat Wasser erhitzen und so viel Wasser zum Couscous gießen, bis dieser bedeckt ist. 10 Minuten quellen lassen. Paprika waschen und in Ringe schneiden. In einer Pfanne in etwas Butter mit moderater Hitze 3-4 Minuten ziehen lassen. Mit dem gequollenen Couscous vermischen. Petersilie hacken und zugeben.

3 Für die Vinaigrette den Senf mit dem Apfelessig, dem Honig und dem Ras el Hanout vermischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und den Salat mit der Vinaigrette gut vermischen.

4 Den Backofen auf 200°C vorheizen.

5 Die Rinderfilets in einer Pfanne von allen Seiten etwa 1-2 Minuten anbraten. Das Ei vermischen. Die Filoteigplatten mit der geschmolzenen Butter bepinseln. In die Mitte jeder Platte ein Rinderfilet setzen, salzen, darauf Schalotten-Chutney geben. Den Filoteig um das Filet herum mit der Eimischung einpinseln und Päckchen formen. Die Päckchen außen mit dem restlichen Ei bestreichen und 10 Minuten im Ofen goldbraun backen.

6 Die Päckchen auf dem Salat servieren.

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Peperonata Dolce

Zu Käse darf es gerne ein wenig Chutney oder eine karamellisierte Nussmischung sein. Oder aber die Peperonata Dolce, eine süße Paprika-Marmelade.

Das Rezept stammt von der famosen Simone von Pi mal Butter (Ihr erinnert Euch, von Simone hatte ich erst letztens die Anregung für die Caprese 2.0 geklaut) und hat mich mit dem ersten Bissen im Sturm erobert. Die Paprika-Marmelade schmeckt süßlich, leicht scharf und stark nach der Frucht, wie ich es von dem Confit Byaldi, meinem Lieblings-Ratatouille, kenne.

Am liebsten esse ich dazu einen gut gereiften, intensiven Ziegenkäse mit einem Stück frischer Focaccia und einem Glas kaltem Weißwein. Die Herstellung ist dabei wahrlich einfach: Paprika wird mit Zucker und Chili gekocht, püriert und auf die gewünschte Konsistenz eingedickt. In sterilen Gläsern hält sich die Marmelade etwa zwei Monate und eignet sich auch wunderbar als kleines Geschenk und Mitbringsel.

Zum Thema Käse möchte ich meinen Nürnberger Lesern wärmstens (Achtung, Empfehlung!) Feinkost Langer in Mögeldorf ans Herz legen – dort gibt es die verschiedensten Sorten gut gereiften Käses, den die Eigentümerin des Ladens teilweise auch noch selbst verfeinert. Schaut unbedingt einmal vorbei!

Einen schönen Sonntag wünsche ich Euch!

Peperonata Dolce

Rezept

Dauer: Ca. 45 Minuten

Zutaten für die Peperonata Dolce (für etwa 6 Gläser à 200 ml):

  • 1 kg rote Paprika
  • 380 g Zucker
  • 1 rote Chili
  • 1 gestrichener TL Salz

Zubereitung:

1 Das Kerngehäuse der Paprika und der Chili entfernen und anschließend in grobe Würfel schneiden.

2 Die Paprika und die Chili mit dem Zucker, dem Salz und einigen EL Wasser in einem Topf bei geschlossenem Deckel kochen, bis die Paprika weich sind. Mit einem Stabmixer pürieren und einkochen, bis eine Marmeladen-artige Konsistenz erreicht ist.

3 Sofort in sterilisierte Gläser einfüllen, stürzen und erkalten lassen. Die Marmelade hält sich etwa 2 Monate.

Quelle: Pi mal Butter

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  • Hmmm, das ist echt super lecker, kann dir nur zustimmen. Habe das Rezept auch schon bei Simone entdeckt und nachgemacht. Ein tolles Mitbringsel aus der Küche, auch wenn man, sobald man mal probiert hat, am liebsten alle Gläser behalten möchte ;)
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Ginger Beer

In den letzten Wochen habe ich erneut selbst gebraut und einen Klassiker hergestellt, der mit den Sommer sehr versüßt hat. Eiskalt genossen ist das Ginger Beer ein tolles Feierabend-Getränk, das nach untergehender Sonne und Balkon schreit.

Vor ein paar Wochen habe ich über meine ersten Versuche berichtet, mit Hilfe von Fermentation Softdrinks herzustellen. Erstes Ergebnis war das Redcurrant Ginger Beer, das mit Johannisbeersirup hergestellt wurde. Nun habe ich den Klassiker schlechthin für Euch, ein „pures“ Ginger Beer.

Zu dem Redcurrant Ginger Beer gab es von Euch sehr viel Feedback, was mich unglaublich gefreut hat. Die vielen tollen Hinweise aus der Cooketteria haben mir bei meinen weiteren Versuchen sehr weiter geholfen, so dass ich in der letzten Zeit das Ansetzen des „Ginger Bug“ – die Basis für die Herstellung von Ginger Beer – keine Probleme mehr hatte und auch bessere Ergebnisse in der Entwicklung von Kohlensäure erzielen konnte.

Der Prozess Ginger Beer herzustellen dauert mehrere Wochen. Zunächst muss die Basis, der sog. Ginger Bug, angesetzt werden. Dafür wird Ingwer klein geschnitten und mit Zucker und Wasser angesetzt. Der Ansatz wird täglich – ähnlich einem Sauerteig – mit Ingwer und Zucker gefüttert, bis er zu blubbern beginnt. Der blubbernde Bug wird dann mit einem Sirup – im heutigen Fall Ingwer-Sirup – versetzt und beginnt, dort zu arbeiten. Der Zucker wird durch Fermentation in Kohlensäure umgewandelt.

Aus der zweiten Versuchsreihe und den Hinweisen aus der Cooketteria habe ich gelernt:

  • Ob Bio-Ingwer oder nicht – aus beiden Grundprodukten kann ein guter Ginger Bug angesetzt werden, ich bevorzuge nach wie vor die Bio-Variante, weil ich dann die Schale guten Gewissens verwenden kann
  • Die Abdeckung des Glases mit einem Kaffeefilter hat besser funktioniert
  • Ich habe den Eindruck, dass das Ergebnis nachhaltig verbessert wird, wenn ich den Ingwer feiner hacke
  • Das Blubbern erschien mir intensiver, sobald ich Vollrohrzucker verwendet habe
  • Es muss nicht immer Ingwer sein: Es klappt auch mit frischem Kurkuma

Das Ginger Beer lässt sich wunderbar eisgekühlt mit einem Schuss Gin oder Wodka genießen.

Rezept

Dauer: Etwa 2-3 Wochen. Zubereitungszeit: 45 Minuten

Zutaten für das Ginger Beer (Ergibt etwa 4 Liter):

Für den Ginger Bug:

  • 250 ml Wasser
  • 2 EL Vollrohrzucker
  • 2 EL gehackter Bio-Ingwer

Für den Ingwer-Sirup:

  • 140 g Ingwer
  • 500 g Zucker
  • 3 L Wasser
  • 3 Zitronen

Zubereitung:

1 Für den Ginger Bug den Bio-Ingwer mit Schale fein hacken. Mit dem Zucker und dem Wasser in einem 1-L-Einmachflas vermischen. Das Glas mit einem Tuch oder Kaffeefiltern abdecken, so dass keine Fruchtfliegen an die Mischung gelangen. Nach zwei Tagen sollten sich zwischen den Ingwer-Stücken Blasen bilden und der Bug sollte beginnen, zu blubbern. Dann über etwa eine Woche jeden Tag 2 EL Zucker und gehackten Ingwer zufüttern.

2 Am Brautag den Ingwersirup zubereiten. Dafür den Ingwer fein reiben und mit dem Zucker und dem Saft der Zitronen etwa 30 Minuten leicht köcheln lassen. Durch ein Tuch filtern und vollständig abkühlen lassen.

3 Ingwersirup mit 1 L Wasser aufgießen. Den Ginger Bug abseihen und unterrühren. Die Flüssigkeit in sterilisierte Plastikflaschen (KEIN GLAS!) abfüllen, verschließen und bis zu 10 Tagen fermentieren lassen – am besten täglich probieren.

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  • Das klingt interessant, ich habe sowas noch nie selber gemacht, aber es verlockt doch… ;) Schöne Tipps und Anregungen. Danke schonmal im Voraus, weil ich es sicher mal testen werde.AntwortenAbbrechen

Weißes Tomatensülzchen mit Ratatouille-Gemüse

Heute habe ich eine schöne sommerliche Vorspeise für Euch: Ein Sülzchen aus weißem Tomatenfond, in dem langsam geschmortes Ratatouille-Gemüse eingelegt und mit verschiedenen Kräutern garniert wurde. Yummy!

Komischerweise habe ich an Sülzen nur die Erinnerung aus Kindheitstagen, in denen mein Vater hin und wieder in Aspik eingelegte Bratwürste vom Metzger mitbrachte. In der Sülze waren oft neben den Bratwürsten Essiggurken, Tomaten, Zwiebeln oder ein halbes, gekochtes Ei zu finden. Als ich mit meiner Frau vor einigen Wochen im guten Nürnberger Restaurant Würzhaus essen war (Ich kann allen Nürnbergern einen Besuch wärmstens empfehlen – zum Ausprobieren eignet sich hervorragend ein Besuch mittags, denn einige der Gerichte von der Abendkarte finden sich auch zur Mittagszeit auf dem Speiseplan), wurde dort als Vorspeise ein Dreierlei vom Ochsenschwanz serviert: Consommé, Ragout, und eben eine Ochsenschwanzsülze. Seither gehe ich mit dem Wunsch schwanger, mich selbst an Sülzen zu versuchen.

Sülzen bezeichnen qua Definition zunächst ein kaltes Gericht, bei dem Fleisch oder Gemüse in Gelee eingelegt wird. Der Begriff Aspik ist im deutschen Sprachgebrauch eher ein Synonym und grenzt sich nicht etwa durch eine unterschiedliche Herstellungsweise ab. Sülzen begleiten die Menschen schon lange. Die bekannteste Sülze ist sicherlich die Schweinskopfsülze, bei deren Herstellung es vor allem darauf ankam, jedes Teil des geschlachteten Tieres zu verwenden. In einem Topf Wasser wird der Schweinekopf zusammen mit Schweinefüßen und -ohren gekocht. Letztere Zutaten werden zugesetzt, weil sie besonders viel Gelatine enthalten und somit für das Gelieren maßgeblich verantwortlich sind.

Wie man Schweinskopfsülze herstellt

Nach dem Kochen wird das Fleisch vom Kopf gelöst und zusammen mit Suppengrün oder anderen Zutaten vermischt. Das Kochwasser wird abgeschmeckt, gerne mit Salz und etwas Essig und dann testweise in kleinsten Portionen in den Kühlschrank gestellt. Geliert die Flüssigkeit, kann die Sülze fertig gestellt werden. Wenn nicht, muss das Wasser weiter reduziert und damit die Gelatine konzentriert werden.

Bei der Herstellung von Sülzen sind wir natürlich nicht mehr auf selbst hergestellte Gelatine angewiesen. Entweder benutzen wir gekaufte Gelatine oder das pflanzliche Ersatzprodukt in Form von Agar-Agar – das Auskochen von Schweinsohren und -füßen ist also nicht mehr notwendig. Diesen Satz schreibe ich mit gemischten Gefühlen: Einerseits wird die Arbeit erleichtert, andererseits verlieren wir immer mehr Wissen und Bewusstsein dafür, wie ein Tier vollständig verwertet werden kann – die Entfremdung vom Prozess des Schlachtens und Verwertens ist meiner Meinung nach sehr negativ zu bewerten.

Weißer Tomatenfond mit vollem Tomatenaroma

Für das Tomatensülzchen habe ich zunächst einen weißen Tomatenfond hergestellt. Dafür wird aus reifen Tomaten, etwas Salz und Essig ein Püree hergestellt, welches über Nacht langsam durch ein Passiertuch in eine Schüssel abtropft. Der entstehende Tomatenfond ist weiß und besitzt einen intensiven Tomatengeschmack. Der Fond ist die Basis für die Sülze, denn der Fond wird später mit Agar-Agar geliert. Gleichzeitig könnte nun aus dem Fond eine weiße Tomatensuppe hergestellt werden – was ich geschmacklich immer wieder als überraschend empfinde, verbindet man mit Tomatengeschmack doch eindeutig eine rote Färbung.

In die Sülze habe ich Ratatouille-Gemüse eingelegt, was im Ofen mit etwas Olivenöl und Knoblauch langsam geschmort wurde. Alles gut abgeschmeckt und gekühlt ergibt eine sehr schmackhafte vegetarische Vorspeise für sommerliche Menüs. Wichtig: Man sollte lieber weniger Agar-Agar nehmen als auf den Packungen für die entsprechende Menge vorgeschlagen. Die Sülze schmeckt besser und ergibt ein besseres Mundgefühl, wenn das Aspik eher weich als zu hart ist. Deswegen gilt: Mit wenig anfangen und ggf. mehr Agar-Agar zugeben. Ein kleiner Geliertest hilft dabei, den Grad festzustellen. Dafür gebe ich eine kleine Portion auf einen flachen Teller, stelle diesen in den Kühlschrank und kann relativ schnell nach etwa einer Viertelstunde feststellen, ob mir die Konsistenz fest genug ist. Wenn Ihr Euch das Foto anseht, so könnt Ihr sehen, dass die Konsistenz recht fest aussieht: War sie auch. Deswegen habe ich für das Rezept die Menge an Agar-Agar deutlich reduziert.

Wer nun Appetit auf Ratatouille bekommen hat, dem sei das klassische Confit Byaldi aus dem Film “Ratatouille” oder diese wunderschöne Pasta oder eine Kombination mit Rinderfilet oder Ravioli wärmstens empfohlen…

Rezept

Dauer: Ca. 30 Minuten Zubereitungszeit, etwa 1-2 Stunden Gelierzeit

Zutaten für das weiße Tomatensülzchen mit Ratatouille-Gemüse (Als Vorspeise für 4 Personen):

  • 1 kleiner grüner Zucchino
  • 1 kleiner gelber Zucchino
  • 1 kleine Aubergine
  • 4 Cherry-Rispentomaten
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 kg Tomaten
  • 2 EL Weißweinessig
  • Ein paar Blätter Basilikum
  • Salz, Pfeffer
  • 1/4 TL Agar-Agar
  • Etwas Rapsöl

Zubereitung:

1 Für den weißen Tomatenfond die Tomaten mit dem Essig und 1 TL Salz mit einem Stabmixer pürieren. Ein Sieb mit einem Passiertuch auslegen, das Püree einfüllen und über Nacht abtropfen lassen.

2 Die Zucchini und die Aubergine in Rädchen schneiden, die Rispentomaten halbieren. Den Knoblauch schälen und in dünne Scheiben schneiden. Alles auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen, mit Olivenöl beträufeln und bei 160°C etwa 20-30 Minuten im Ofen rösten.

3 Den abgetropften Tomatensaft aufkochen und mit Salz abschmecken. Agar-Agar unterrühren. Das geröstete Gemüse auf vier Schälchen verteilen und den leicht gelierten Tomatenfond darüber geben. Im Kühlschrank etwa 1-2 Stunden kühlen lassen. Die Sülze sollte nicht zu fest werden und darf ruhig locker sein. Die Mengenangaben Agar-Agar beziehen sich auf etwa 400 ml Tomatenfond.

4 Mit Basilikum garnieren und servieren.

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